Börsen, Euro, Inflation: Wie der Ölpreis an den Märkten zerrt

- München - Das Überraschungs-Paket des Ifo-Instituts war nicht groß genug. Trotz einer unerwartet positiven Entwicklung des Geschäftsklimas sackten die Börsenkurse gestern ab - gezogen von einer Wirkungskette, an deren Ende der Ölpreis zerrt.

<P>Dax fällt</P><P>Die Kurse der 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands fielen zwischenzeitlich fast 2,5 Prozent auf unter 3840 Punkte. Den Investoren in der Euro-Zone bereitet das Erstarken der Gemeinschaftswährung Sorgen. Denn je höher der Euro-Kurs liegt, desto teurer werden die Produkte im Export nach Amerika oder Asien.<BR><BR>Euro steigt</P><P>Der Euro-Kurs sprang auf über 1,28 Dollar. Und er ist wohl zu noch höherem berufen. Die WestLB geht in einer Studie davon aus, dass sich der Euro an sein Allzeithoch vom Februar herantasten wird. Das lag bei 1,2926 Dollar. Man könne sich auch einen Kurs des Euro von 1,30 Dollar vorstellen, sagte ein Händler einer Großbank. Das spiegelt die Dollar-Schwäche wider.</P><P>Dollar fällt</P><P>Neben dem riesigen Defizit in der US-Leistungsbilanz sorgen sich Händler um die Konjunktur in den Vereinigten Staaten. Die könnte sich - und damit auch den Dollar - deutlich abschwächen. Derzeit nach Experten-Meinung der Hauptgrund: das Öl.</P><P>Ölpreis steigt</P><P>Der Ölpreis erklimmt Rekordhöhen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete gestern zwischenzeitlich 51,90 Dollar, an den Rohstoffbörsen in Asien stieg der Ölpreis auf 55,58 Dollar - beides Höchstwerte. Der Ölpreis bekommt Antrieb aus praktisch allen Teilen der Welt. Die Wirtschaft im Riesen-Reich China wächst rasant und mit ihr der Öl-Bedarf. Die Heizölreserven in den USA liegen zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. </P><P>Dadurch besteht Druck, bald nachzutanken. Doch von Öl-Anbietern kommen seit Monaten beunruhigende Nachrichten. Im Irak explodieren täglich Bomben. In Nigeria drohten Gewerkschaften, im Rahmen eines Generalstreiks die Ölförderung lahm zu legen. In Venezuela waren im Gefolge einer Volksabstimmung über die Zukunft von Präsident Hugo Chávez Unruhen befürchtet worden. </P><P>In Russland malträtiert die Regierung den Ölkonzern Yukos wegen angeblicher Steuerhinterziehung. Im Golf von Mexiko wirbelte eine Hurrikan-Serie die Ölförderung durcheinander. Und in Norwegen droht der Reedereiverband in einem Arbeitskampf damit, am 9. November 2500 Beschäftigte auf den Bohrplattformen auszusperren, womit die Ölproduktion gestoppt würde. </P><P>Dass sich am Abend die norwegische Regierung einschaltete und das Ende der Streiks anordnete, vermochte die Märkte nicht mehr zu beruhigen. Alle anderen Länder haben ihre Öl-Hähne schon bis zum Anschlag aufgedreht. Die Förderkapazitäten könnten gerade noch um ein Prozent erhöht werden, vermuten Experten. Inzwischen schlägt der Ölpreis voll auf die Verbraucherpreise durch.</P><P>Inflation steigt</P><P>Die Entwicklung des Ölpreises zeigt sich an Tankstellen, bei der Heizöl-Bestellung oder auch bei Zuschlägen auf Flugtickets. So ist die Inflationsrate in Bayern im Oktober auf 2,5 Prozent gestiegen, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Im September betrug sie 2,1 Prozent. Damit zeigt der Ölpreis seine Wirkung als "weltweite Steuer" und drückt so noch einmal auf die Börsenkurse.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Leverkusen/New York - Bayer und Monsanto wollen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Investitionen und US-Arbeitsplätzen von ihrer Fusion überzeugen.
Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank könnte Medienberichten zufolge schon bald drastische Einschnitte bei den Boni ihrer Mitarbeiter verkünden.
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
London - Theresa May kündigte am Dienstag den klaren Bruch mit der EU an. In unserer Zeitung erklärt der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, wie teuer …
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren
New York - Bis 2050 wird einer Studie zufolge mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fische - wenn nicht schnell gehandelt wird. Genau das tun jetzt 40 große …
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren

Kommentare