Börsen: Kaum einer sucht noch nach Haaren in der Aktien-Suppe

- München - Die Bullen nehmen Anlauf. Immer mehr Experten trauen dem Dax nach den jüngsten Rückschlägen eine Jahresendrallye zu. Selbst die magische Marke von 4000 Punkten ist kein Tabu mehr - gestern lag der Aktienindex bei neuem Jahreshoch nur noch gut 7 % von diesem Ziel entfernt.

<P>Der stärkere Dollar ließ die Autowerte hochschalten - sie gehörten neben den Technologie-Aktien zu den Gewinnern. Diese profitierten davon, dass der weltweite Halbleiter-Umsatz nach Erhebungen des US-Branchenverbandes SIA im September um 6,5 % zulegen konnte - zum siebten Mal in Folge. Doch brachte das nicht für Infineon den größten Schub: Die Aktie legte um 3 % zu, während der auch aus dem Siemens-Reich verstoßene Bauelemente-Hersteller Epcos zeitweise fast 10 % zulegte. Auch der europäische Einkaufsmanager-Index, der mit 51,3 leicht über den Prognosen lag, hellte die Stimmung auf.</P><P>Fischten Anleger noch bei den jüngsten Quartalsberichten nach Haaren in der Suppe, und feierten diese dann mit Verkaufsorgien, scheint sich der Stimmungs-Wind zu drehen: Eine Beteiligung der HypoVereinsbank hätte vor ein paar Wochen den Pessimisten ein ganzes Haarbüschel geliefert. Doch offenbar handelt es sich um Haar aus Gold: Den Kauf von weiteren 12,2 % an der Vereins- und Westbank störte kaum jemanden. Die HVB könne mit nun über 90 % besser über deren Zukunft entscheiden, hieß es. Zeitweise stand die Aktie an der Dax-Spitze, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten.</P><P>Einen Buchungsanstieg bereits im Winter, und gute Aussichten für den nächsten Sommer halfen der Tui-Aktie dabei, die HypoVereinsbank vom ersten Platz der Gewinnerliste im Dax zu verdrägen und diesen Platz bis zum Abend zu halten.<BR>Doch sind es nicht nur die schwankungsanfälligen Werte, die zulegten; ThyssenKrupp gehören seit einem Rückschlag im September ebenso zu den Dauer-Gewinnern, wie der europäische Luftfahrtriese EADS. Gegenüber dem Tiefpunkt bei 6,39 Euro peilt die Aktie nun eine Verdreifachung an. Das Unternehmen hat nach Abschlägen wegen der defizitären Raumfahrtsparte und Problemen bei den Trägersystemen in den letzten Wochen fast lückenlos mit positiven Nachrichten überrascht.</P><P>Wie geht es weiter? Bis zum Jahresende "grundsätzlich positiv", sagt Harald Albert (Fiduka Depotverwaltung) - auch wenn es weiter Schwankungen gibt. Albert sieht darin auch Vorschusslorbeeren für zu erwartende gute Ergebnisse im vierten Quartal. Doch der Optimismus reicht über Silvester hinaus. "US-Präsident George Bush will seine Wahlen mit guten Wirtschaftsdaten gewinnen", schätzt Albert, bröckelnde Aktien passen da nicht. Grünes Licht also bis Mitte 2004.</P><P>Dagegen betrachtet der Vermögensverwalter Jens Ehrhardt die USA skeptischer. "Amerika ist kein großer Hit", sagt er, sieht aber Aktien positiv: Anleihen seien uninteressant, ebenso Immobilien. Doch 4000 ist ihm zu hoch gegriffen. Es seien so viele Anleger im Markt, "dass es immer wieder zu Gewinnmitnahmen kommt".</P><P>Die US-Skepsis wird von Nachrichten aus New York gestützt: Die Börsenaufsicht SEC nimmt die New-Yorker Börse wegen mangelnder Aufsicht über Händler aufs Korn. Strafrechtlern ist die SEC dabei noch zu lasch. Generalstaatsanwalt Eliot Spizer warf ihr vor, Hinweise auf unzulässige Handelspraktiken von Investmentfonds missachtet zu haben.</P>

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