Börsen wieder im Aufwind - DAX klettert auf Plus von 6 Prozent

Frankfurt/New York - Die Börsen sind wieder im Aufwind. Die Kurse an den europäischen Aktienmärkten erholten sich am Donnerstag von ihren Vortagesverlusten und schnellten nach oben. Der deutsche Leitindex kletterte bis zum Nachmittag auf ein Plus von etwa sechs Prozent. Noch am Vortag war der DAX zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Dezember 2006 gestürzt und stand bei Handelsschluss mit 4,88 Prozent im Minus.

Impulsgeber für den Aufschwung sei vor allem eine "atemberaubende Erholung" an den US-Börsen, sagte ein Börsianer. Nach den guten Vorgaben aus Asien habe auch der überraschend gestiegene ifo-Geschäftsklimaindex den Markt gestützt.

Nach Angaben des ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zum Start ins neue Jahr aufgehellt. Die internationale Finanzkrise und die Sorgen vor einer Abschwächung der US-Konjunktur hätten die deutsche Wirtschaft bisher kaum beeinträchtigt. Im Januar stieg der Geschäftsklimaindex von 103,0 Punkten im Vormonat auf 103,4 Punkte. Experten hatten dagegen angesichts der internationale Finanzkrise, des starken Euros und der hohen Ölpreise mit einer weiteren Eintrübung gerechnet. "Insgesamt präsentiert sich die gewerbliche Wirtschaft in einer robusten Verfassung", erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Während die rund 7000 befragten Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage leicht schlechter beurteilen, zeigten sie sich für die kommenden sechs Monate wieder etwas optimistischer als zum Jahresausklang. "Die Unternehmen sehen, dass ihre Auftragsbücher prall gefüllt sind. Die Kapazitäten sind überausgelastet und die Exporterwartungen sind weiter optimistisch", sagte der ifo-Konjunkturexperte Hans Günter Russ der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Die Aufhellung beim ifo-Index zeigt nach Einschätzung der Commerzbank aber keine Trendwende an. "Die Stimmungsaufhellung ist nur leicht ausgefallen und insoweit vor allem auf herkömmliche monatliche Schwankungen zurückzuführen", sagte Commerzbank-Experte Matthias Rubisch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Abwärtstrend des wichtigsten Stimmungsindikators der deutschen Wirtschaft sei nach wie vor gegeben. "Die jüngsten Aktienmarktturbulenzen sind noch nicht in die Erhebung eingegangen", sagte Andreas Scheuerle, Volkswirt bei von der DekaBank.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) mahnte Gelassenheit an. "Es gibt weder einen Grund zur Panikmache noch Grund zur Ignoranz", sagte Glos in der Bundestagsdebatte über den Jahreswirtschaftsbericht. Die Ausgangslage für die deutsche Wirtschaft sei trotz gestiegener Risiken nach wie vor gut. Vertreter der Opposition warfen der Koalition vor, nicht angemessen auf die aktuellen Börsenturbulenzen zu reagieren und die Lage zu beschönigen. In ihrem Jahreswirtschaftsbericht hat die Bundesregierung die Wachstumsprognose für dieses Jahr von 2,0 auf 1,7 Prozent reduziert.

Glos außerdem maßvolle Lohnabschlüsse. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, lehnte dies ab. "Es kann nicht angehen, dass für das Fehlverhalten und die Fehlleistung von einigen Managern (...) die Arbeitnehmer dafür bezahlen sollen." Die Menschen müssten endlich "gerechten Anteil am Aufschwung haben".

Am Mittwoch hatte es am deutschen Aktienmarkt nach einem positiven Start wieder einen Kursrutsch gegeben, bei dem DAX fast fünf Prozent verloren hatte. Am Donnerstag war der deutsche Leitindex dann bereits in den ersten Handelsminuten um 4,13 Prozent auf 6705 Punkte gesprungen. Im Zentrum der Kurserholung standen Finanzwerte.

Auch an den anderen europäischen Handelsplätzen gingen die Kurse bis zum Nachmittag nach oben. Der europäische Leitindex EuroSTOXX 50 stand zuletzt bei einem Plus von etwa 5,5 Prozent. Der auch Schweizer und britische Werte umfassende STOXX 50 notierte bei etwa 5 Prozent im Plus. Der Pariser CAC 40 verzeichnete ein Plus von mehr als 4,5 Prozent, der Londoner Leitindex FTSE 100 stand zuletzt mit etwa 4,5 Prozent im Plus.

Die europäischen Börsen folgten damit guten Vorgaben aus Asien und den USA. Der Nikkei-225-Index ging am Morgen mit einem Plus von 2,06 Prozent aus dem Handel, auch der Hongkonger Hang-Seng-Index schloss mit einem deutlichen Plus. Die US-Börsen hatten zum Handelsschluss kräftige Gewinne eingefahren. Der Dow-Jones-Index kletterte um 2,50 Prozent.

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