Börsenbriefe: Heiße Tipps können für Anleger teuer werden

- So mancher Kleinanleger ist zurzeit ratlos. Die Börse tritt auf der Stelle. Mit den Kursen geht es weder eindeutig bergauf, noch klar bergab. "Genau der richtige Zeitpunkt, um neue Abonnenten für Börsenbriefe an Land zu ziehen", sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). "Jetzt sind viele empfänglich für Hilfestellung."

<P>Die weit verbreitete Orientierungslosigkeit wird von manchen Herausgebern von Aktientipps offenbar eifrig genutzt. Das Anpreisen kostspieliger Abonnements werde momentan recht aggressiv betrieben, mahnt Michael Bruns von der Stiftung Warentest zur Vorsicht.</P><P>Den "goldenen Königsweg" zum Wohlstand gibt es aber nicht, wie Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) eindringlich warnt. Die Strategien, Musterdepots und Hitlisten, die in einigen Dutzend Börsenbriefen dringend empfohlen würden, sollten "immer mit Vorbehalt genossen" werden.</P><P>Skepsis ist in jedem Fall angebracht, wenn Werbebriefe ins Haus flattern, die von fabelhaften Depots mit 640 Prozent Wertzuwachs seit 1991 schwärmen. Oder "heiße" Einzelwerte bejubeln mit angeblicher Spitzenchance auf Verdoppelung oder Verdreifachung. Geködert werden Interessenten auch, indem ihnen ein Begrüßungsgeschenk als Belohnung für eine Abo-Bestellung versprochen wird. "So was ist ziemlich fragwürdig", warnt Bruns. Hobby-Börsianer sollten immer bedenken: Worauf die Tipp-Geber hinaus wollen, ist zunächst einmal der reine Verkauf ihrer Postillen.</P><P>Und das kann für einen Kleininvestor schon ordentlich ins Geld gehen, 200 Euro können schon mal für ein Jahres-Abonnement fällig werden.<BR>Eine gehörige Portion Misstrauen gehöre dazu, wenn man sich mit Ratschlägen aus Börsenbriefen auseinandersetze, betont Keitel. Die Herausgeber könnten "eigene Interessen" mit ihren Empfehlungen an die Kunden verknüpfen, gibt die Aktionärsschützerin zu bedenken. "Wenn zahlreiche Anleger einem heißen Tipp folgen, dann braucht sich niemand wundern, wenn der Titel tatsächlich in die Höhe getrieben wird." Genauso schnell könne der Absturz folgen. Werden Informationen als "exklusiv" oder "vertraulich" angepriesen, zugleich aber an Tausende Abonnenten verkauft, sei immer Skepsis angebracht. Bruns rät: "Beim Impressum nachgucken, wie viele Redakteure hinter den Ratschlägen stecken. Je mehr mitarbeiten, desto breiter und fundierter könnten die Analysen aufgestellt sein."</P><P>Entscheiden muss der Anleger letztlich allein</P><P>Börsenbriefe geben in der Regel immer eine Fülle von Tipps und Anregungen - letztendlich muss der Anleger aber wieder allein entscheiden, auf welches Pferd er tatsächlich setzt. Eine Garantie für Erfolg gebe es einfach nicht, mahnt Keitel zur Besonnenheit. "Der eine oder andere Rat mag auch nicht falsch sein und Gewinn bringen." Flops seien aber eben auch dabei.</P><P>Und welchem Börsenbrief kann man nun halbwegs vertrauen? Roland Aulitzky von "Finanztest" rät, darauf zu achten, dass die vorgeschlagenen Strategien zumindest nachvollziehbar und gut begründet sei. "Das sagt aber immer noch nichts über den Anlageerfolg aus." Als Stiftung Warentest 1995 zwölf Börsenbriefe unter die Lupe nahm, hatte es keiner geschafft, den Deutschen Aktienindex zu schlagen.</P>

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