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Neuemissionen kommen wieder öfter auf den Kurszettel. Kleinanleger sollten genau hinschauen, bevor sie zeichnen. Erst mal abwarten, ist vielfach der beste Rat.

Aktienmarkt

Börsengänge: Was Anleger wissen müssen

München - Der Markt für Börsengänge kommt langsam wieder in Schwung. Anleger sollten sich den Neulingen aber mit Vorsicht nähern.

Der Börsengang der Firma LEG Immobilien dürfte bei den Alteigentümern für Freude gesorgt haben. Insgesamt 1,34 Milliarden Euro flossen den Finanzinvestoren Whitehall und Perry Capital zu – der zweitgrößte Börsengang des Jahres weltweit. Sie hatten 57,5 Prozent ihrer Anteile abgegeben. Zum Preis von 44 Euro je Aktie. Weniger glücklich sind wohl bislang die Aktionäre, die bei der Emission dabei waren. Schließlich notiert die Aktie mittlerweile unter 43 Euro, also unter dem Ausgabekurs.

Dennoch scheint der Markt für Neuemissionen wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das dürfte daran liegen, dass Bewegung in diesen Markt gekommen ist. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers (PWC) war 2007 das letzte starke Jahr für sogenannte Initial Public Offerings (IPO). Damals gab es europaweit 771 Börsengänge mit einem Volumen von rund 80 Milliarden Euro. Danach brach der Markt dramatisch ein. Im Schlussquartal 2012 aber deutete sich bereits eine Trendwende an. Da betrug das Emissionsvolumen hierzulande, dank der Börsengänge von Talanx und Telefónica, über zwei Milliarden Euro. Im Gesamtjahr lag das IPO-Volumen in Deutschland damit um 600 Millionen Euro über dem Vorjahr.

Und mit dem Börsengang von LEG Immobilien sowie dem Chemiekonzern Evonik im April dieses Jahres und weiteren anstehenden Börsengängen wie der Siemenstochter Osram Licht AG, der Immobilienfirma Deutsche Annington, dem Gabelstapler-Hersteller Kion sowie dem Wissenschaftsverlag Springer Science könnte sich dieser Trend fortsetzen. Das Umfeld jedenfalls ist günstig.

Eine Voraussetzung für eine nachhaltige Trendwende seien laut PWC niedrige Kursschwankungen an den Aktienmärkten. Schließlich gebe dies Emittenten und Investoren größere Planungssicherheit. Das bestätigt auch Gerd Häcker von der Vermögensverwaltung Huber, Reuss und Kollegen in München. „Der Mechanismus ist immer der gleiche“, sagt er. „Wenn es an den Aktienmärkten gut läuft und die Schwankungen zurückgehen und die Kurse steigen, können bei Börsengängen höhere Preise erzielt werden.“ Doch warnt der Experte Anleger davor, Neuemissionen blind zu zeichnen. „Davor sollten sich Anleger die jeweilige Firma und die Umstände des Börsengangs sehr genau ansehen“, sagt er.

Wichtig ist zum Beispiel, ob es sich um eine Kapitalerhöhung handelt oder ob sich die Alteigentümer zum Teil oder ganz von einer Beteiligung trennen. Im zweiten Fall sollten sich Anleger fragen, worin der Grund für den Verkauf liegt. Ein mögliches Motiv: Die Alteigentümer haben keine positive Erwartung für die weitere Entwicklung der Firma. Folglich dürfte auch das Potenzial begrenzt sein.

Im ersten Fall, der Kapitalerhöhung, kann das anders aussehen. Hier fließen die Einnahmen aus dem Börsengang in das Unternehmen, das damit sein künftiges Wachstum vorantreiben kann. Die Alteigentümer bleiben also mit im Boot und das kann ein Indiz dafür sein, dass diese an die Zukunft des Unternehmens glauben.

Doch auch das einzuschätzen, ist nicht einfach, wie der geplante Börsengang des Leuchtmittelherstellers Osram, der Ende Juni bis Anfang Juli stattfinden soll, zeigt. Dabei handelt es sich um eine Abspaltung von Siemens, wobei die derzeitigen Siemens-Aktionäre für je zehn Aktien des Mutterkonzerns eine Osram-Aktie erhalten. Die Muttergesellschaft, die nach der Abspaltung noch 20 Prozent an Osram halten wird, hatte angekündigt, nicht weiter in das Unternehmen investieren zu wollen. Das deutet bereits an, dass Investitionen notwendig sein werden. Denn der Markt ist, auch wenn Osram einen guten Namen hat, hart umkämpft. Die Konkurrenz aus Asien ist stark und es stellt sich die Frage, wie groß der Investitionsbedarf sein wird, um mit den neuesten Entwicklungen mithalten zu können.

Allerdings hat Osram inzwischen auch bekannt gegeben, dass es sich im Geschäftsjahr 2013 beim Nettoergebnis der Gewinnschwelle anzunähern. Auch könnte Osram ein Kandidat für den S-Dax oder gar den M-Dax sein. Dies könnte der Aktie kurzfristig Auftrieb verleihen. Zudem wäre es nicht die erste erfolgreiche Abspaltung. So hatte Bayer 2005 seinen Spezialchemiebereich unter dem Namen Lanxess an die Börse gebracht. Der Kurs hat sich seit dem in etwa vervierfacht. „Auch wenn Osrams Zukunft unsicher ist, manchmal entwickeln sich Firmen in der Eigenständigkeit, da sie dann flexibler agieren können, besser“, sagt Häcker.

Börsengänge oder auch Spin-offs, wie den von Osram, richtig einzuschätzen, ist also schwierig. Vielleicht ist deshalb aber auch ein anderer Aspekt für Anleger entscheidend. Meist werden Börsengänge in einem für die jeweilige Branche günstigen Umfeld durchgeführt.

Das war bei den Firmen der Erneuerbaren Energien so, das war Ende der 1990er-Jahre beim Durchbruch des Internet so, und es ist jetzt mit LEG Immobilien so, wo die Alteigentümer den derzeitigen Immobilienboom in Deutschland für sich nutzten. IPOs finden also häufig in Phasen der Übertreibung statt. „Ich warte bei Börsenneulingen deshalb oft ein bis zwei Jahre ab“, sagt Häcker, „da sich meist erst dann der wahre Wert dieser Unternehmen zeigt.“

von Gerd Hübner

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