Börsengänge: Darauf sollten Sie achten

- München - Vor fünf Jahren betrat fast täglich ein neues Unternehmen das Börsenparkett. Mit dem Abschwung der Kurse ging das dramatisch zurück. 2003 wagte sich keine Gesellschaft in Deutschland neu aufs Parkett und die ersten Börsengänge 2004 wurden abgebrochen. Mit fünf Börsengängen im weiteren Verlauf, darunter dem der Postbank, ging es wieder los. Auch 2005 klopfen Kandidaten an die Börsenpforte.

<P>Mit einem ostdeutschen Fahrradhersteller war das Eis gebrochen. Auch wenn das Volumen gering war und die Kurse rund 13 Prozent unter dem Emissionspreis liegen, wurden Börsengänge wieder interessant. Der Durchbruch gelang der Postbank, die den Zeichnern immerhin einen Kursgewinn von derzeit knapp 30 Prozent bescherte.<BR>Auch 2005 steht noch eine Reihe von Börsengängen an: Der Bezahlfernseh-Sender Premiere strebt an die Börse, der Turbinenbauer MTU und der Telekom-Konkurrent Arcor. Doch auch kleinere Unternehmen wagen sich wieder vor. Eben hat das Hamburger Solar-Unternehmen Conergy den Gang an die Börse angekündigt.<BR><BR>Blind zugreifen allerdings ist nach wie vor kein dauerhaftes Erfolgsrezept für Anleger. "Die Unternehmen sollten anspruchsvollen Qualitätsstandards genügen", sagt Jens Wilhelm, Leiter Aktienfonds bei Union-Investment. Er stellt drei wichtige Schritte dar, in denen potenzielle Zeichner die Börsenkandidaten vor dem Gang aufs Parkett auf Herz und Nieren prüfen können.<BR><BR>Die 50-2-50-Regel</P><P>Diese Regel ist ein pragmatischer Ansatzpunkt, die Nachhaltigkeit eines Geschäftsmodells zu überprüfen. Der Börsenkandidat sollte demnach einen Umsatz von 50 Millionen Euro mitbringen, mindestens zwei Jahre Gewinne ausweisen und wenigstens 50 Vollzeitkräfte beschäftigen. Kleinere Unternehmen bringen kaum die notwendige kritische Masse auf die Waagschale, der Gewinn soll die Funktionsfähigkeit des Geschäftsmodells belegen. "Die Börse eignet sich nicht als Labor für unternehmerische Experimente", sagt Wilhelm. Dafür seien Wagnisfinanzierer besser geeignet.<BR><BR>Zukunftsfähigkeit</P><P>Ist die erste Regel erfüllt, geht es um weiche Faktoren. Vor allem die Kompetenz des Managements und das Zukunftspotenzial des Marktes, in dem der Börsenkandidat agiert, ist eine weitere wichtige Voraussetzung. "Ein Geschäftsmodell, das ohne nennenswerte Kosten nahezu beliebig kopiert werden kann, besitzt keinen dauerhaften Wert", so Wilhelm. Angemessene Markteintrittsbarrieren sollen die Geschäftstätigkeit des Unternehmens sichern.<BR><BR>Die Preisfindung</P><P>Anschließend stellt sich die Frage nach dem "richtigen" Kurs. Hierbei müssen die Interessen des Emittenten und die der Käufer miteinander vereinbart werden. Der Verkäufer wünscht naturgemäß einen möglichst hohen Emissionserlös, während der Käufer an einem niedrigen Kurs interessiert ist. So muss der Preis des Börsenneulings mit den Kursen bereits börsennotierter Konkurrenten im Einklang stehen. Werden etablierte Autozulieferer beispielsweise mit dem Zehnfachen ihres Jahresgewinns bewertet, wäre das 15- oder 20-fache des anteiligen Jahresgewinns als Ausgabepreis für die Aktie eines Debütanten überteuert. Institutionelle Anleger wie zum Beispiel Fondsmanager prüfen genau, ob die Preise gerechtfertigt sind. Direktaktionäre sollten das auch tun. Wilhelm: "Auch ein gutes Unternehmen kann zu teuer sein."</P>

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