Börsengänge: Worauf Anleger vor der Zeichnung achten sollten

- An der Börse scheint die Sonne: Die noch junge Solarindustrie boomt, und auch sonst geht es an den Aktienmärkten dem Anschein nach wieder aufwärts. Zudem zieht es nach mehrjähriger Flaute so viele deutsche Unternehmen wie lange nicht mehr auf das Parkett. Ein Dutzend werden es wohl in diesem Jahr, schätzen Experten. Die so genannten Neuemissionen locken mit hohen Gewinnen. Anleger sollten sich die Börsenfrischlinge aber vorher genau anschauen, bevor sie Papiere zeichnen.

Keine Gewinngarantie

Börsengänge sind eigentlich eine feine Sache. Unternehmen erhalten bei ihrem "ersten öffentlichen Aktienangebot" frisches Kapital für Firmenpläne jeglicher Art. Anleger profitieren, wenn die Erstnotiz im Börsenhandel - wie häufig - höher als der Ausgabepreis der Aktie ist und auch danach die Gewinne stabil bleiben. "Bei den meisten der jüngsten Börsengänge war das der Fall. Eine eingebaute Garantie für Zeichnungsgewinne gibt es aber nicht", erklärt Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut (DAI).

Zocken oder planen?

Zocker nehmen zwar Zeichnungsgewinne mit, indem sie die Aktien gleich nach dem Start wieder verkaufen. Doch langfristig orientierte Anleger achten eher darauf, ob der Börsenkandidat auch die nächsten fünf Jahre ins Depot passt, rät Fey. Die bereits vollzogenen und derzeit noch geplanten Börsengänge stammen aus unterschiedlichen Branchen. Etablierte Maschinenbauer oder Finanzdienstleister sind darunter, aber auch aufstrebende Biotech- oder Solarfirmen.

Kandidaten unter der Lupe

Manche Anleger denken womöglich noch an ihre Pleiten aus der Zeit des Neuen Marktes, als fast jede Woche ein junges Unternehmen aus einer Boombranche an die Börse ging. Doch die Voraussetzungen haben sich geändert: "Vor fünf Jahren war viel Fantasie im Spiel. Heute wird ein Börsenkandidat kritischer beäugt. Die Gefahr von Luftnummern ist viel geringer", erklärt Eberhard Dilger, Leiter des Aktienemissionsgeschäftes der Commerzbank. Er beobachtet wieder ein "deutlich wachsendes" Interesse von Privatanlegern für Börsengänge.

Der Einstieg in neue Aktien berge dennoch stets ein Grundrisiko, weil die Unternehmen noch keine Börsenhistorie vorweisen können, so Dilger. Interessenten sollten ihren Wunschkandidaten also vorher genau unter die Lupe nehmen. "Eine Wachstumsstory allein reicht nicht", warnt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Nur nicht mitreißen lassen

Wer die Qualität eines Börsen-Aspiranten prüfen will, muss also erst mal Grips investieren und sich durch Zahlen und Informationen wühlen. "Ansonsten investiert man im Nebel", warnt Jürgen Kurz unerfahrene Anleger davor, sich von der guten Stimmung mitreißen zu lassen.

Auf Emissionsbank achten

Steht die Kaufentscheidung fest, ist ein wenig Glück nötig. Die gewünschten Erstaktien können in einer bestimmten Frist zu einer festgelegten Preisspanne gezeichnet werden - prinzipiell bei jedem Geldhaus. "Die größten Chancen hat aber, wer Kunde bei den beteiligten Emissionsbanken ist", erklärt Experte Gerrit Fey vom DAI.

Nicht alle haben Glück

Zudem ist die Zahl der beim Börsengang ausgegebenen Aktien begrenzt. Werden mehr Papiere nachgefragt als überhaupt vorhanden sind, wird gelost oder per Quote zugeteilt. Weil ein oder zwei Papiere ein schwacher Trost für alle wären, kommt es vor, dass manche Anleger leer ausgehen, wenn ansonsten zu kleine Zuteilungen im Raum stehen.

Bis zu 20 Börsengänge

Nachtrauern lohnt aber nicht. Anleger, die zuletzt nicht zum Zuge kamen, sollten Prognosen beruhigen: Geht es nach Aktienemissionschef Eberhard Dilger von der Commerzbank, nimmt die Zahl der Börsengänge weiter zu. Im Jahr 2006 könnten sich 10 bis 20 deutsche Firmen aufs Parkett wagen, schätzt der Experte.

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