Börsenguru am Telefon: Vorsicht vor dubiosen Aktien-Hotlines

- Tausende Kleinanleger wittern wieder Morgenluft an der Börse. Damit der zweite Anlauf besser klappt, sind derzeit Ratschläge und Markteinschätzungen besonders gefragt. Doch Aktionärsschützer raten Hobbybörsianern dringend davon ab, sich erneut auf "heiße Aktientipps" zu stürzen.

<P>"Gesundes Misstrauen" sei bei allen konkreten Kaufempfehlungen ratsam, warnt Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Das gelte insbesondere für Börsenhotlines, die unter 0190-Nummern Ratschläge vom Band anbieten. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mahnt ebenfalls zur Vorsicht, "wenn die Gier wieder wach wird". Tipps vermeintlicher "Börsengurus", die Anrufer mit täglich wechselnden Texten vom Band beliefern, sollten grundsätzlich mit großer Skepsis betrachtet werden.</P><P>Einigen Betreibern der Börsentelefone haftet nach Angaben von "Finanztest" bereits seit Jahren der Ruf an, Aktien aus dem eigenen Depot zu bewerben, um so deren Kurs hochzutreiben. "Da stecken möglicherweise besondere Interessen dahinter. So richtig zu beweisen ist das aber nie gewesen", warnt auch Keitel. "Das Anwählen der Hotlines ist außerdem viel zu teuer, das lohnt sich grundsätzlich nicht", betont Kurz. Zwischen 62 Cent und 1,86 Euro pro Minute muss ein Interessent zahlen, wenn er eine der acht 0190-Nummern anruft, die sich trotz Börseneinbruchs in den vergangenen Monaten am Markt behauptet haben, wie "Finanztest" erläutert. </P><P>Wer die Ansagen bis zum Ende durchhält, telefoniert etwa zehn bis 20 Minuten lang. Das macht dann bis zu 37 Euro für einen einzigen Anruf. Bei einigen Verbindungen wird erst einmal ausführlich über die Tagesentwicklung des Dax, des japanischen Nikkei-Index oder der amerikanischen Börse referiert. Dann erst kommen bestimmte Titel oder Branchen zur Sprache. Manchmal gibt es keinen einzigen "Tipp".</P><P>Wer keinerlei Vorkenntnisse hat, wird mit dem Aktien-Kauderwelsch, vorgeblichen Kurszielen und charttechnischen Kurven kaum zurechtkommen. Zum Teil sind die Bandansagen völlig überholt, mehrere Tage alt. Eine der Hotlines gibt von Anfang an konkrete Kaufempfehlungen: Da wird dem Hörer beispielsweise ein "ehemaliger Neuer-Markt-Star" als brandheißer Tipp ans Herz gelegt. Oder der Einstieg in einen amerikanischen Hightech-Titel, "der nicht billiger wird". Wer auf mehr Details wartet, wird vertröstet: "Dazu komme ich später", verspricht der Ansager. Im Übrigen gelte die Börsendevise: "Wer bislang was verpasst hat, kann sich noch was vom Kuchen abschneiden."</P><P>"Eine unsinnige Ausgabe ist das", findet Keitel. Wer glaube, mit solchen Ratschlägen schnell zu Geld zu kommen, der begebe sich auf dünnes Eis. "Da wird ganz offensichtlich versucht selbst Geld zu machen. So billig, wie das produziert ist, kommen die Betreiber mit fünf bis sechs Anrufern am Tag schon ins Plus", ist Kurz überzeugt. Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern, hält die Bezeichnung "Hotline" bereits für eine Irreführung: "Das hat mit einer Verbindung, bei der auf der anderen Seite ein Ansprechpartner Fragen live beantwortet, nichts zu tun." Wer fundierten Rat für seine Börsenaktivitäten sucht, sollte nach Auffassung von Kurz lieber sein Geld in den Kauf seriöser Fachzeitschriften investieren: "Für etwa 37 Euro kann man fast alle Hefte kaufen, die es am Markt gibt."<BR></P>

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