Börsenkandidat X-Fab verpatzt die Premiere

- Frankfurt/Erfurt - Der erste Börsengang eines Unternehmens nach mehr als einjähriger Flaute auf dem Frankfurter Parkett ist geplatzt. Der Erfurter Halbleiterhersteller X-Fab und die ING-Bank als Konsortialführer stoppten das für morgen angekündigte Debüt am Aktienmarkt. Die Entscheidung fiel nach Ende der Zeichnungsfrist für die 11,5 Millionen Aktien, die zum Preis von 10 bis 14 Euro angeboten wurden. Es fanden sich nicht genug Kaufinteressenten für die Papiere des Technologieunternehmens aus Thüringen, das mit Pannen und Pech die Chance auf den ersten Börsengang seit November 2002 verstolperte.

Das Desaster hatte sich bereits beim Start Anfang März angedeutet. Es hagelte Kritik, weil Standards wie die rechtzeitige Vorlage des gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsprospekts nicht eingehalten wurden und der Zeichnungsbeginn verschoben werden musste. Schnell war in Finanzkreisen von "X-Flop" die Rede. Aktionärsschützer sprachen von einer dilettantischen Vorbereitung des Aktienangebots, mit dem immerhin bis zu 160 Millionen Euro eingesammelt werden sollten. "Management und Konsortialbanken haben unterschätzt, wie hoch die Erwartungen an den ersten Kandidaten nach dem Platzen der Börsenblase sind", meinte ein Analyst.<BR><BR>Eher unvorbereitet, so schien es, fiel der mit 1000 Beschäftigten und 112 Millionen Euro Jahresumsatz eher kleinen Aktiengesellschaft die Rolle des Eisbrechers am eingefrorenen Markt für Börsengänge zu.<BR><BR>Nach dem verheerenden Echo - angekreidet wurden der Firma nicht nur die Prospekt-Panne, sondern auch eine zu hohe Bewertung und die Verflechtungen des Mehrheitsaktionärs Elex mit dem wichtigsten X-Fab-Kunden Melexis - fühlte sich Vorstandschef Hans-Jürgen Straub als Prügelknabe. Erschwerend hinzu kamen die starken Schwankungen bei Technologieaktien nach den Terroranschlägen von Madrid. Mit "verschlechterten Bedingungen an den Kapitalmärkten" begründete ING den Rückzug.<BR><BR>SdK-Sprecherin Reinhild Keitel reagierte fast mit Erleichterung auf den Stopp der Börsennotierung. "Das Unternehmen hat nicht die Transparenz hergestellt, die für einen solch bahnbrechenden Börsengang nötig gewesen wäre." Für sie ist das Scheitern von X-Fab ein Indiz dafür, dass Investoren aus den schlechten Erfahrungen des Neuen Marktes gelernt haben. "Die Gründe für die Absage sind allein dem Unternehmen und den Emissionsbanken anzulasten." Negative Auswirkungen für weitere Börsenkandidaten, wie die Wacker-Tochter Siltronic AG, München, die voraussichtlich am 26. März startet, befürchtet Keitel nicht. Den Durchbruch erwarten viele jedoch erst mit einem Börsengang in der Größenordnung der Postbank, möglicherweise im Juni.<BR>

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