"Börsenpreise manipuliert": Die Energiegiganten unter Verdacht

- Hamburg - Die Energiekonzerne stehen nach Vorwürfen der Preismanipulation in der Kritik. Der Bund der Energieverbraucher warf ihnen in "Bild" Preistreiberei vor, nachdem der "Spiegel" unter Berufung auf geheime Handelsdaten der Strombörse EEX berichtet hatte, dass die großen Konzerne die Preise an der Strombörse hochtreiben können.

Das Bundeskartellamt geht die Liste der Börsengeschäfte durch. Es handele sich dabei aber um keine "feste Prüfung" durch die Behörde, hieß es. Um das Thema Manipulationsvorwürfe sei es auch schon bei den Durchsuchungen der Energiekonzerne RWE und Eon durch die EU-Kommission im vergangenen Sommer gegangen.

"Aus den Daten - die laut der Strafanzeige der EEX wegen des Verrats von Betriebsgeheimnissen echt sind - geht hervor, dass allein RWE 2006 für fast 28 Prozent des gesamten Nettostromeinkaufes verantwortlich ist." Ein Unbekannter hatte als E-Mail verschickt. Der Absender vermutet, dass der Konzern so den Preis in die Höhe getrieben hat, um im Telefonhandel viel größere Volumina zum künstlich angehobenen Preis zu verkaufen. RWE-Vorstandschef Harry Roels hatte bereits Ende Februar Anschuldigungen, dass RWE den Strompreis künstlich nach oben treibe, als "völlig haltlos" zurückgewiesen. Auch Vattenfall erklärte, der Vorwurf entbehre jeder Grundlage.

Ein Sprecher von EnBW sagte: "Wir haben selbst Interesse an günstigem Strom, da wir Käufer sind." Ein Drittel des abgesetzten Stroms müsse man kaufen.

Nach einem Gutachten der TU Dresden waren die Preise an der Leipziger Strombörse zwischen 2005 und Juni 2006 zwischen 20 und 30 Prozent über dem Niveau, das bei vollem Wettbewerb herrschen würde. Das Gutachten kam zu dem Schluss, dass die großen Stromkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Marktmacht missbrauchen. Der Präsident des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, bezeichnete die Preispolitik der Konzerne "als Freibeuterei zu Lasten der Verbraucher." Wirtschaftsminister Michael Glos arbeitet derzeit an einer Verschärfung des Kartellrechts, damit das Bundeskartellamt die Preise der Stromkonzerne genauer unter die Lupe nehmen kann.

Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) forderte den Staat auf, die Stromsteuer zu halbieren. "Das allein würde die privaten Stromrechnungen pro Haushalt um rund sechs Prozent oder 35 Euro im Jahr senken." Die Senkung könnte mit der Versteigerung der CO2-Verschmutzungszertifikate finanziert werden. Außerdem forderte er schärfere Gesetze, um mehr Wettbewerb zu erzwingen.

Einer der Betroffenen, Klaus Rauscher, Chef von Vattenfall Europa, sieht einen anderen Weg, Manipulationsvorwürfe aus der Welt zu schaffen. Er will einen größeren Markt mit mehr gewichtigen Teilnehmern. "Wir sind für eine Europäische Strombörse", sagte er gegenüber unserer Zeitung. "Wir müssen alle europäischen Grenzen niederreißen, um einen Markt zu schaffen."

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