Börsianer beunruhigt: Wie mächtig wird der Rückschlag?

- München - An den Börsen steht ein Rückschlag unmittelbar bevor, wie insbesondere technische Analysten glauben. Gehen die Kurse nur kurz zurück, könnte das eine normale Korrektur bedeuten, die den Boden bereitet für eine Fortsetzung des Aufwärts-Trends. Einige Experten sehen aber die Gefahr eines nachhaltigen Rückschlags. Dann könnten die guten Börsenzeiten vorerst beendet sein.

<P>Im internationalen Vergleich hat sich der Deutsche Aktienindex Dax hervorgetan. Stürzte er in den schwachen Börsenphasen tiefer als die anderen Aktienbarometer, legte er jetzt auch mit am stärksten zu. Seit dem Tief am 12. März gewann der Dax 44 Prozent. Der Euro Stoxx, der die größten Aktiengesellschaften im Euro-Raum abbildet, legte in dieser Zeit nur 32 Prozent zu. Die Kurssprünge haben für Euphorie unter den Anlegern gesorgt. Und die ist gefährlich.</P><P>Das Anlegermagazin "Investors Intelligence" befragt regelmäßig Marktbeobachter. 58,7 Prozent zählten sich zuletzt zu den Bullen, die mit steigenden Kursen rechnen. 16,3 Prozent zeigten sich als pessimistische Bären. So eine Übermacht von Bullen gegenüber Bären gab es zuletzt vor dem Crash von 1987, wie das Finanzportal "Wallstreet Online" berichtet. Optimisten kann man unterstellen, dass sie ihre Einkäufe getätigt haben. Ist ihre Zahl sehr hoch, bleibt wenig Raum für weitere Käufer, die für Kurszuwachs sorgen.</P><P>Auch der Volatilitäts-Dax, der die Breite der Kursschwankungen misst, "mahnt zur Vorsicht", warnt die Bayerische Landesbank in einer technischen Analyse. Der Volatilitäts-Dax hat ein extrem niedriges Niveau erreicht. Er notiere "in Regionen, in denen der Dax in der Vergangenheit häufig Kursgipfel ausgebildet hatte", schreiben die Analysten. "Kurzfristig betrachtet ist die Luft nach oben sehr dünn geworden." Mit einem Rückschlag müsse jederzeit gerechnet werden. Und dann sei zu untersuchen, ob "dieser den Charakter einer gesunden und überfälligen Korrektur trägt oder ob dieser so heftig ausfällt, dass sich auch die mittelfristigen Perspektiven wieder eintrüben."</P><P>Die Bedenken von Anlegern werden durch die jüngste Warnung des Instituts für Weltwirtschaft bestätigt. Die Forscher erwarten heuer in Deutschland kein Wirtschaftswachstum. Sie sehen die Bundesrepublik in der Rezession. Auch die französische Zentralbank prognostizierte jetzt ein Nullwachstum im zweiten Quartal. In den 30 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sank die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal nach einer ersten Schätzung auf 0,3 Prozent.</P><P>Der hohe Eurokurs, der gestern zwischenzeitlich erneut die 1,19 Dollar überstieg, dämpft die Exportnachfrage. "Dies verstärkt die Besorgnis darüber, ob die Wirtschaftspolitik der Konjunkturschwäche effizient begegnen kann", heißt es in einer Analyse der Deutschen Bank. Doch auch im Inland haben die Verbraucher ihre Konsumlaune noch nicht wiederentdeckt. Die schlechten Nachrichten vom Arbeitsmarkt schlagen auf die Stimmung. Hier hoffen Experten auf psychologische Effekte durch die Aussicht auf ein Vorziehen der Steuerreform. Zudem macht der gegenüber der Zeit vor dem Irak-Krieg deutlich niedrigere Ölpreis Hoffnung. Schon jetzt entlastet er Firmen und Verbraucher um 50 Milliarden Dollar.</P><P><BR> </P>

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