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Spannung an der Börse: Die fallenden Kurse treiben so manchem Trader den Schweiß auf die Stirn.

Dax-Kursrutsch bis 8350?

Böses Börsen-Omen "Todeskreuz" mahnt zur Vorsicht

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Unter den Börsianern wächst die Unruhe. Weltweit sind die Kurse auf Talfahrt, seit aus den Schwellenländern China, Brasilien und Russland immer alarmierendere Konjunktursignale kommen. Auch der Dax taumelt. Und jetzt kommt aus den USA noch ein böses Börsen-Omen: das „Todeskreuz“.

Noch im Frühjahr waren deutsche Aktienanleger im siebten Himmel: Der Dax eilte von Rekord zu Rekord, im April notierte der Index der 30 wichtigsten deutschen Unternehmen in der Spitze bei 12 390 Punkten – wer das Glück hatte, im Herbst 2011 zu den damaligen Tiefstkursen einzusteigen, durfte sich über ein Plus von 150 Prozent freuen. Seither ging’s freilich bergab, um durchschnittlich 20 Prozent. Am Freitagabend durchschlug das Aktienbarometer nachbörslich sogar die 10 000-Punkte-Marke nach unten, jedenfalls zeitweise. Die akute Schwäche zum Wochenausklang schürt weltweit die Sorge vor einem heutigen „schwarzen Montag“.

Und die historisch gefürchteten Börsenmonate September und Oktober stehen erst noch bevor. Für den renommierten Charttechniker Rocco Gräfe vom Internetportal „Godmode Trader“ ist der Fall klar: Die Rallye ist vorbei und der Dax auf dem Weg zu einem Kursziel bei etwa 8350 Punkten. „Zeitnahe Rallyechancen gibt es nicht mehr“, schreibt Gräfe. Zwischenzeitliche Erholungen dürften spätestens bei 10 800 bis 10950 stoppen. Grundsätzlich bleibt er allerdings optimistisch für Aktien. Auf Sicht mehrerer Jahre traut Gräfe dem Dax einen Anstieg auf 30 000 Punkte zu. Käme es so, dürften sich Anleger im September und Oktober auf günstige Einstiegskurse freuen – jedenfalls diejenigen Investoren, die die bisherige Rallye verpasst haben.

Dafür, dass Anleger noch ein paar ungemütliche Tage vor sich haben, gibt es handfeste Argumente. So bekommt die Weltkonjunkturlokomotive China ihre Probleme nicht in den Griff. Siebenprozentige Wachstumsraten wie zuletzt sind erst einmal passe, zuletzt schrumpfte sogar die Industrieproduktion. Und in den USA steht die Zinswende nach oben an. Höhere Zinsen ziehen mehr Geld der Anleger an, das dafür aus dem Aktienmarkt abfließt. Auch ein charttechnisches Warnsignal schreckt die Investorengemeinde in Amerika auf: das sogenannte „Todeskreuz“. Dabei handelt es sich um ein Verkaufssignal, das durchschnittlich nur alle drei Jahre einmal auftritt. Wenn die 50-Tage-Linie, die die durchschnittlichen Aktienpreise der letzten 50 Tage widerspiegelt, die steigende 200-Tage-Linie, also den Durchschnittspreis der letzten 200 Tage, von oben her durchschneidet, ist Gefahr in Verzug. Die Historie lehrt: In zwei von drei Fällen gibt es danach signifikante Verluste. Vor wenigen Tagen trat das „Todeskreuz“ an der Weltleitbörse, dem amerikanischen Dow-Jones-Index, auf. Seither gab es dort bereits einen Kursrutsch von sechs Prozent.

Falls sich die schwarze Serie im Dax fortsetzt, wird sich in den nächsten Tagen auch dort das „Todeskreuz“ zeigen. Seit 1998 ist es nur sechsmal am deutschen Aktienmarkt aufgetreten: 1998 (damals gab es davor und danach insgesamt 35 Prozent Kursverluste), bei der großen Baisse 2000 (minus 75 Prozent), 2004 (damals lieferte es ein Fehlsignal und der Index stieg umgehend wieder), 2008 (minus 55 Prozent), 2011 (minus 34 Prozent) und 2014 (minus 17 Prozent). Wer 2014 aus Angst vor dem Todeskreuz verkaufte, war leider schon recht spät dran und verpasste die nachfolgende Rallye.

Käme es dieses Jahr wie 1998 und der Dax würde abermals insgesamt 35 Prozent verlieren, was statistisch dem durchschnittlichen Ausmaß einer größeren Korrektur entspricht, hätte der deutsche Aktienindex nach seinen bisherigen Verlusten noch eine Abwärtsstrecke von 1900 Punkten oder etwa 20 Prozent vor sich. Aktieninvestoren stehen deshalb vor einer kniffligen Entscheidung: Wer jetzt verkauft, läuft Gefahr, anschließend aus Angst vor weiteren Kursrückgängen zu lange zu zögern und den richtigen Einstiegszeitpunkt zu verpassen.

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