Willy Bogner sucht eine Zukunftslösung für sein Familienunternehmen. Ein Verkauf ist gescheitert, ein Börsengang kommt offenbar auch nicht mehr in Frage. foto: dpa

Münchner Mode-Unternehmen

Bogner: Manager soll Nachfolger werden

München - Willy Bogner holt einen Ralph Lauren-Manager als seinen Stellvertreter ins Familienunternehmen. Ein Verkauf seiner Luxusmodefirma war zuvor gescheitert.

Familienunternehmen sind oft so verschlossen wie eigenwillig. Wer einmal mit der Modefirma Bogner zu tun hatte, der weiß, dass das für den Münchner Hersteller luxuriöser Sportbekleidung besonders zutrifft. Das gilt vor allem, wenn wie dort ein 73-jähriger Firmenpatriarch versucht, sein Lebenswerk abzusichern. „Ausgeschlossen ist nichts“, hieß es dazu immer wieder vage. Nun ist die Katze aus dem Sack. Bogner wird weder verkauft, noch geht das Traditionsunternehmen an die Börse, was strategisch die erste beziehungsweise zweite Wahl gewesen wäre. Alleinherrscher Willy Bogner (73) holt vielmehr Ralph Lauren-Manager Alexander Wirth ins Haus. Ab 2016 soll der 40-jährige als Stellvertreter Bogners an dessen Seite managen und nach Einarbeitungszeit den Konzern führen.

Wirth sei eine echte Führungspersönlichkeit mit internationaler Erfahrung und Sportsgeist“, lobte Bogner den neuen starken Mann in spe. Dieser zeigte sich „fest davon überzeugt, Bogner zu einer weltweiten Topmarke weiterentwickeln zu können“. Woher die Investitionen dafür kommen sollen, ist unklar. Denn eigentlich sollte ein solventer Investor die Modefirma übernehmen, um die weitere Expansion zu finanzieren. Das ist aber an den Preisvorstellungen des Firmenherrschers und wohl auch eintrübenden Geschäften gescheitert, sagt ein Kenner der Szene. Zudem habe sich auch kein strategischer Investor gefunden.

Bis zu einer dreiviertel Milliarde Euro wollte Bogner anfangs für sein 1932 vom Vater gegründetes Unternehmen haben, sagen Insider. Dutzende Investoren zeigten für die Luxusmodefirma mit dem klangvollen Namen Interesse, aber nicht zu diesem Preis. Mit von der Partie war bis zuletzt auch ein Konsortium, dem der Münchner Fußballspieler Philip Lahm und Daimler-Chef Dieter Zetsche angehört haben. Unter 300 Millionen Euro sollen die Spitzenangebote für Bogner zuletzt gelegen haben. Experten taxieren einen realistischen Firmenwert auf aktuell rund 250 Millionen Euro.

Denn Luxusmodefirmen wie Bogner machen die Krisen auf diversen Märkten sehr zu schaffen. Im Fall der Münchner ist das vor allem Russland mit seiner teils schwerreichen Klientel, wo die Sanktionen des Westens für geschäftliche Einbrüche gesorgt haben. Mit der Damenmodemarke Escada muss ein anderer Münchner Hersteller von Edelbekleidung rund 200 seiner 2000 Stellen abbauen. Escada war vor sechs Jahren von der indischen Unternehmergattin Megha Mittal aus der Insolvenz heraus gekauft worden und ist ähnlich groß wie Bogner. Auch bei Escada laufen die Geschäfte dem Vernehmen nach in Russland und China derzeit schlecht.

Bogner hat im Geschäftsjahr 2013/14 rund 227 Millionen Euro umgesetzt. 2012/13 waren es noch gut 240 Millionen Euro. Zur Profitabilität machen die Bayern keine Angaben.

Für Wirth ist die Ausgangslage damit schon geschäftlich gesehen nicht gerade leicht. Dazu kommt der Umgang mit dem 73-jährigen Bogner, der als recht eigen gilt. Wirth soll zunächst als sein Stellvertreter managen. Mit im Vorstand sitzt auch die Ehefrau des Firmenpatriarchen, Sônia Bogner, die dort für das Design zuständig ist.

Dem designierten Firmenchef ist das Besondere der Aufgabe bewusst. „Bogner ist für mich mehr als ein Job, es stellt das Lebenswerk der Familie Bogner dar“, erklärte der 40-jährige. Das nötige Branchenwissen bringt er fraglos mit. Vor seiner Station als Deutschland-Geschäftsführer des US-Modekonzerns Ralph Lauren hat Wirth unter anderem auch schon bei der Luxusmodefirma Burberry gemanagt. Wie es abseits des operativen Geschäfts mit der Unternehmensführung bei Bogner weitergeht, bleibt indessen offen. Im Gespräch ist dem Vernehmen nach eine Stiftung, in die Bogner seine Firmenanteile einbringen könnte. Auch Wirth könnte Anteile erwerben. „Alles weitere wird sich ergeben“, meinte eine Firmensprecherin dazu.

Thomas Magenheim-Hörmann

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