Bomben-Terror in Madrid: Wie sehr ist die Konjunktur bedroht?

- München - Die Wirtschaft rechnet nach den Terroranschlägen in Spanien trotz der deutlichen Kursverluste an den Börsen nicht mit dauerhaften Schäden für die Konjunktur. Zahlreiche Volkswirte zeigten sich zuversichtlich, dass die anziehende Konjunktur den Schock relativ schnell verdauen werde. Allerdings wurden Rückschläge für den Tourismus und dadurch auch für die spanische Wirtschaft befürchtet.

<P>"Ich sehe im Augenblick keinen Anlass, wirtschaftlich von einer nennenswerten Bedrohung auszugehen", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Das DIW bleibe bei der Prognose von 1,4 Prozent Wachstum in Deutschland 2004. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter betonte, er bleibe bei seiner Prognose von 2 % Wirtschaftswachstum für Deutschland und Europa. Lediglich im März und April werde es relativ schlechte Zahlen geben. Allerdings sei mit Auswirkungen im Tourismus zu rechnen.<BR><BR>Ähnlich äußerte sich auch der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der DZ-Bank, Hans Jäckel: "Ein Rückschlag auf die Stimmung an den Finanzmärkten ist nicht auszuschließen - mit der Dauer von einigen Wochen".<BR>Commerzbank-Chefvolkswirt Ulrich Ramm zeigte sich pessimistischer: "Ich befürchte, dass es einen messbaren Dämpfer für die Konjunkturhoffnungen geben wird." Betroffen könnten vor allem die Branchen Tourismus und Verkehr sein. "Die Terrorgefahr trifft uns gerade in einer Konsolidierungsphase des Aufschwungs". Allerdings sei es noch zu früh, um dies mit Sicherheit beurteilen zu können.<BR><BR>Auch nach Ansicht des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) sind die direkten Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft bislang relativ gering. "Befürchtungen hätten wir dann, wenn die Situation sich weiter verschärfen würde", sagte BGA-Präsident Anton Börner. Dazu könne man aber seriös nichts sagen. Direkt würden die Anschläge die spanische Konjunktur insbesondere über den Tourismus negativ beeinflussen, meinte Börner weiter. Immerhin sei dies nach wie vor der wichtigste Wirtschaftszweig Spaniens. Damit stehe auch die Konjunkturprognose für Spanien von plus 3 Prozent für 2004 nach den Anschlägen auf wackeligen Beinen.<BR><BR>Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Exportwirtschaft haben. Für diese sei Spanien der siebtwichtigste Markt in Europa - und dazu (mit einem Zuwachs um knapp 7 % im Gesamtjahr 2003 auf 32,5 Milliarden Euro) einer der dynamischsten. Von einem Konjunkturrückgang wären in erster Linie deutsche Hersteller von Autos, sowie Unternehmen im Maschinenbau und der Elektrotechnik, aber auch Anbieter im Bereich der Verkehrsinfrastruktur betroffen.<BR><BR>Während die erneut Aktienkurse nachgaben und der billiger wurden, steigen die Preise für Rohstoffe: Gold verteuerte sich in London um rund 2 Dollar auf 398,55 Dollar, auch Öl wurde teurer.<BR><BR>An der Frankfurter Börse beherrschten Hektik und hohe Umsätze den Handelstag. Einem Aktienstrategen zufolge berge ein islamischer Hintergrund der Anschlagsserie in Madrid eine viel nachhaltigere Dimension in sich als eine "lokale Katastrophe" in Form eines ETA-Anschlags.</P>

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