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Die Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l) und Anshu Jain, haben gut Lachen.

"Mehr Flexibilität"

Deutsche Bank will Boni-Obergrenze verdoppeln

Frankfurt/Main - Kassieren die Manager der Deutschen Bank künftig noch üppiger? Der Konzern lässt die Aktionäre über eine höhere Obergrenze für Boni abstimmen.

Die Deutsche Bank will die Obergrenze für Boni verdoppeln. Damit will der Konzern die neuen rechtlichen Vorgaben zur Begrenzung von Bonuszahlungen voll ausschöpfen. Bei der Hauptversammlung am 22. Mai sollen die Aktionäre darüber abstimmen, ob die Bank die Obergrenze für die variablen Gehaltsbestandteile für die Beschäftigten verdoppelt, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Einladung für das Aktionärstreffen hervorgeht.

Folge der Neuregelung seien nicht automatisch höhere Bonuszahlungen, sagte ein Sprecher der Bank. Die Deutsche Bank wolle sich angesichts neuer Regeln der Europäischen Union mehr Flexibilität verschaffen. Die neuen Regeln schreiben Banken vor, dass Boni für einen Mitarbeiter von diesem Jahr an maximal so hoch sein dürfen wie dessen Grundgehalt. Dieses Verhältnis darf erhöht werden, wenn die Hauptversammlung einer Bank dies ausdrücklich beschließt. Dann dürfen Boni maximal doppelt so hoch sein wie die Grundgehälter.

Die Zustimmung der Aktionäre zur Anhebung des Bonus-Deckels gilt als Formsache. Die Alternative wäre eine Erhöhung der Fixgehälter der Führungskräfte, wenn deren Gesamtvergütung nicht sinken soll. Höhere Grundgehälter lehnen viele Großaktionäre ab, da dies in schlechten Zeiten Spielräume nimmt, die Personalkosten kurzfristig zu senken.

Auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und Aufsichtsratsvize der Deutschen Bank, Alfred Herling, rechnet mit einem positiven Votum der Hauptversammlung zu der 2:1-Regelung: „Das ist ein vernünftiger Vorschlag, um die Fixkosten der Bank im Griff zu behalten“, sagte Herling der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Das sei auch im Sinne der Investoren.

Sollte die Bank mit ihrem Vorschlag bei den Aktionären dennoch nicht durchkommen, gibt es nach Informationen der Zeitung „Die Welt“ (Donnerstag) bereits einen Plan B als Beschlussvorlage für den Aufsichtsrat. Dieser sehe vor, die Grundgehälter der Vorstände um mehr als ein Drittel anzuheben, wenn im Gegenzug der bisherige Bonus sinkt.

Konkret würde das bedeuten, dass die Manager in schlechten Jahren deutlich mehr verdienen als bislang. Für das vergangene Jahr kassierten die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen insgesamt jeweils rund 7,5 Millionen Euro, davon 2,3 Millionen Euro als Grundgehalt und den Rest als erfolgsabhängige Boni. Bei den übrigen Vorstandsmitgliedern war der Bonusanteil an der Gesamtvergütung noch höher.

Mit der neuen Bonusgrenze will die Politik Banker zu vorsichtigerem Verhalten bringen. Boni gelten als Mitauslöser der Finanzkrise der Jahre 2008/2009, weil sie Banker zu hohen Risiken verleiteten. Die Deutsche Bank hat ihr Vergütungssystem zuletzt bereits verändert. So wird ein Großteil der Boni nicht mehr sofort, sondern erst mit einigen Jahren Verzögerung ausgezahlt. Das soll den Anreiz für nur kurzfristig erfolgreiche, waghalsige Geschäfte nehmen.

dpa

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