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Nach vorläufigen Zahlen gab es im Zeitraum Juli bis September rund 43,2 Millionen Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland. Foto: Jan Woitas

Boom am Arbeitsmarkt geht weiter

So viele Menschen wie nie zuvor haben in Deutschland einen Job. Vor allem der Dienstleistungsbereich boomt. Doch welche Folgen hat der Flüchtlingszustrom für den Arbeitsmarkt?

Wiesbaden (dpa) - Der Boom am Arbeitsmarkt geht weiter und gewinnt noch an Tempo. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im dritten Quartal auf einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Durch den Flüchtlingszustrom wird die Erwerbstätigkeit Experten zufolge mittelfristig weiter zulegen. Zugleich dürfte aber auch die Arbeitslosigkeit bei wohl insgesamt mehr Einwohnern steigen.

Nach vorläufigen Zahlen gab es im Zeitraum Juli bis September rund 43,2 Millionen Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland, das waren 343 000 Personen oder 0,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im ersten und zweiten Vierteljahr hatten die Zuwachsraten mit 0,7 und 0,6 Prozent etwas niedriger gelegen.

Gegenüber dem zweiten Vierteljahr stieg die Erwerbstätigkeit um 0,7 Prozent - und damit überdurchschnittlich stark, wie die Wiesbadener Behörde berichtete.

Den stärksten Anstieg verzeichnete binnen Jahresfrist der Dienstleistungsbereich. Im Baugewerbe sank die Zahl der Erwerbstätigen dagegen leicht, in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei ging sie stärker zurück.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise dürfte die Zahl der Arbeitslosen 2018 die Drei-Millionen-Schwelle überschreiten. Sie werde wohl 2017 bei 2,94 und im Jahr darauf bei 3,02 Millionen liegen, wie aus dem Rentenversicherungsbericht hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorlag. Der Bericht sollte an diesem Mittwoch im Bundeskabinett beraten werden. Die Zeitungen der Funke Mediengruppe hatten zuerst darüber berichtet.

2019 soll die Arbeitslosenzahl demnach sogar auf knapp 3,11 Millionen steigen. Die Schätzung geht auf den interministeriellen Arbeitskreis Gesamtwirtschaftliche Vorausschätzung zurück, der auch die erhöhte Zuwanderung berücksichtigte. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte bereits mehrfach gesagt, dass aufgrund der vielen Flüchtlinge mit einer zunehmenden Arbeitslosigkeit in Deutschland zu rechnen sei.

Nach Einschätzung der "Wirtschaftsweisen" dürfte zugleich die Zahl der Erwerbstätigen wegen des Flüchtlingszustroms mittelfristig steigen. Im günstigen Fall ergebe sich bis 2020 aufgrund der Arbeitsaufnahme anerkannter Flüchtlinge ein positiver Effekt auf die Erwerbstätigkeit von bis zu 500 000 Personen.

Im ungünstigen Fall sei er nur halb so groß. Dem stünden bis zum Jahr 2020 etwa 300 000 bis 350 000 arbeitslose anerkannte Flüchtlinge gegenüber, hatte der Sachverständigenrat bei der Vorlage seines Jahresgutachtens vergangene Woche erklärt.

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnete zuletzt für dieses Jahr mit 324 000 Asylbewerbern im erwerbsfähigen Alter, im Jahr 2016 mit 610 000.

Die Forscher unterstellen dabei für beide Jahre einen Zustrom von jeweils einer Million Flüchtlingen. Da viele von ihnen sich schon wegen der fehlenden Deutschkenntnisse erst einmal arbeitslos melden werden, geht das IAB für 2016 von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 130 000 aus.

Mitteilung Statistisches Bundesamt

Gutachtensachverständigenrat

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