Erwerbstätigkeit auf Höchststand

Boom am Arbeitsmarkt setzt sich fort

Wiesbaden - Der Boom am Arbeitsmarkt gewinnt an Tempo. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im dritten Quartal auf einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Nach vorläufigen Zahlen gab es im Zeitraum Juli bis September rund 43,2 Millionen Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland, das waren 343 000 Personen oder 0,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im ersten und zweiten Vierteljahr hatten die Zuwachsraten mit 0,7 und 0,6 Prozent etwas niedriger gelegen.

Gegenüber dem zweiten Vierteljahr stieg die Erwerbstätigkeit um 0,7 Prozent - und damit überdurchschnittlich stark, wie die Wiesbadener Behörde berichtete.

Den stärksten Anstieg verzeichnete binnen Jahresfrist der Dienstleistungsbereich. Im Baugewerbe sank die Zahl der Erwerbstätigen dagegen leicht um 0,3 Prozent, in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei ging sie um 2,6 Prozent zurück.

Die Zahl der Arbeitnehmer erhöhte sich um 1,1 Prozent auf 38,94 Millionen Personen. Die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger verringerte sich dagegen um 2,2 Prozent auf 4,31 Millionen.

Nach Einschätzung der „Wirtschaftsweisen“ dürfte die Zahl der Erwerbstätigen wegen des Flüchtlingszustroms mittelfristig steigen. Im günstigen Fall ergebe sich bis 2020 aufgrund der Arbeitsaufnahme anerkannter Flüchtlinge ein positiver Effekt auf die Erwerbstätigkeit von bis zu 500 000 Personen.

Im ungünstigen Fall sei er nur halb so groß. Dem stünden bis zum Jahr 2020 etwa 300 000 bis 350 000 arbeitslose anerkannte Flüchtlinge gegenüber, hatte der Sachverständigenrat bei der Vorlage seines Jahresgutachtens vergangene Woche erklärt.

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnete zuletzt für dieses Jahr mit 324 000 Asylbewerbern im erwerbsfähigen Alter, im Jahr 2016 mit 610 000.

Die Forscher unterstellen dabei für beide Jahre einen Zustrom von jeweils einer Million Flüchtlingen. Da viele von ihnen sich schon wegen der fehlenden Deutschkenntnisse erst einmal arbeitslos melden werden, geht das IAB für 2016 von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 130 000 aus.

dpa

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