Boom am Deutschen Aktienmarkt

Dax auf neuem Rekordhoch: - Deutsche Aktien sind weiterhin der Renner bei Investoren aus aller Welt. Der wichtigste Börsenindex Dax marschiert deshalb seit Wochen in großen Schritten auf ein neues Rekordhoch zu. Wird das erreicht, rechnen Experten mit einem Kursgewitter - nicht aber mit einem Absturz.

München - Auf den Tag genau will sich niemand festlegen. Doch dass der Deutsche Aktienindex (Dax) in den nächsten Wochen ein neues Allzeithoch markieren wird, darüber sind sich die meisten Händler und Analysten einig. Sie sprechen von "starken Kräften" und "großer Euphorie" am Markt. "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass wir zügig in Richtung Rekordhoch gehen", sagt Ascan Iredi, Chef des Aktienhandels bei der Postbank in Frankfurt.

Weit ist der Weg nicht mehr. Der Dax, der die Wertentwicklung der 30 größten deutschen Gesellschaften an der Börse widerspiegelt, überschritt am Freitagnachmittag erstmals seit sieben Jahren für wenige Minuten die 8000er-Marke. 7987,85 Zähler zeigte das Kursbarometer am Abend und blieb damit nur ein kleines Stück unter dem historischen Gipfel von 8136 Punkten. Den hatte der Dax im Tagesverlauf des 8. März 2000 erklommen.

Im Unterschied zu damals ist der Aktienmarkt heute allerdings noch nicht heiß gelaufen. "Die Kennzahlen der Dax-Unternehmen sind besser, die gute Stimmung ist von den Daten untermauert", sagt Postbanker Iredi. Um die Jahrtausendwende hingegen hatte die Internethysterie eine Börsenblase aufgepumpt, aus der schon bald nach dem Dax-Rekord die Luft entwich. Weil die Kurse nicht der tatsächlichen Ertragskraft der Firmen entsprach und schließlich der Anschlag vom 11. September die Welt schockte, fielen die Werte tief: Im März 2003 schlug der Dax bei 2202 Punkten auf.

Längst hat sich der Aktienindex wieder aufgerappelt. Die letzten vier Jahre hat er jeweils mit einem höheren Stand beendet als er sie begann, und sich seit dem Tiefpunkt mehr als verdreifacht. Fachleute führen das auf die verbesserte Profitabilität der Unternehmen zurück. Die trennten sich von unrentablen Sparten, achteten stärker auf die Kosten und putzten sich so für Investoren heraus. Zugleich begünstigte der gute Lauf der Weltwirtschaft das Geschäft der exportstarken Firmen. "Deutschland ist Hauptgewinner der Industrialisierung von Regionen wie Asien", sagt Trudbert Merkel, Fondsmanager bei der Deka-Bank.

Das gilt nach wie vor. Die Unternehmen haben im ersten Quartal deutlich besser verdient als erwartet. So sind die Nettogewinne nach Merkels Worten im Schnitt um 35 Prozent gestiegen, die Aktien seien somit nach wie vor günstig bewertet. Doch das ist nur einer der Gründe, weswegen der Dax über die 8000-Punkte-Marke drängt. Ein weiterer: Derzeit fließt viel Geld in den deutschen Aktienmarkt. "Das Ausland kauft wie wild deutsche Papiere", sagt Merkel. Zudem sammeln Unternehmen wie Eon oder Daimler eigene Anteile wieder ein, was die Kurse zusätzlich treibt.

Doch die Rally schmieren nicht mehr nur rationale Faktoren. Nach Ansicht von Michael Harms sieht mancher Anleger über Bremsklötze wie die gestiegenen Zinsen oder die guten, aber nicht hervorragenden Konjunkturdaten hinweg. "Daraus können Gewitterstürme hervorgehen", sagt der Chefstratege der Privatbank Delbrück Bethmann Maffei in Frankfurt. Er hält deswegen Korrekturen in den kommenden Monaten um bis zu zehn Prozent für möglich.

Auch Ascan Iredi rechnet mit einem Rutsch nach unten, sobald der Dax seinen alten Rekord in den Schatten gestellt hat. "Das wird einen Rücksetzer um einige hundert Punkte geben", sagt der Aktienhändler. Einig ist er sich jedoch mit anderen Börsenprofis darüber, dass es keinen so heftigen Absturz wie 2000 geben wird. "Der positive Trend bleibt auch nach einer Korrektur ungebrochen", betont Michael Harms.

Kleinanleger profitieren kaum

Investoren, die vor vier Jahren auf deutsche Aktien gesetzt haben, können sich freuen. Die Kurse vieler Einzelwerte vervielfachten sich seitdem, der Dax selber legte um 350 Prozent zu. Doch der Großteil der privaten Anleger profitiert nicht von dieser Kursexplosion. "Die Akzeptanz von Aktien ist unterentwickelt", begründet das Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt. Seit dem Dax-Hoch vom März 2000 hat sich die Zahl der deutschen Aktionäre sogar um zwei Millionen auf 4,2 Millionen verringert. Experten führen das auf die heftigen Kursverluste zurück, die viele Kleinanleger nach der Jahrtausendwende erlitten. Viele trauten dem Aktienmarkt deswegen nicht mehr und setzten stattdessen lieber auf Anlagen mit garantierter Rendite oder festen Zinsen.

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