Borussia Dortmund vor der Pleite: Wie zu Zeiten des Neuen Marktes

- München - Die Fans von Borussia Dortmund haben mit Transparenten und Sprechchören demonstriert, die Aktionäre per Verkaufsorder. Die Nachricht, dass Deutschlands einzigem börsennotierten Fußballklub die Pleite droht, ließ den Kurs des Papiers zeitweise fast 30 Prozent abstürzen. Anlegerschützer kritisieren das Management scharf. Der Fall Borussia Dortmund schade der Aktienkultur in Deutschland, warnen sie.

<P>Es war wie zu schlimmsten Zeiten am Neuen Markt. Vor Beginn des Börsenhandels schickte die Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA eine Ad-hoc-Mitteilung heraus. Der Fußball-Betrieb eröffnete, dass er in eine "existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation" geraten sei. Letzte Hoffnung ist ein Sanierungskonzept. Der Kurs der BVB-Aktie stürzte gestern zwischenzeitlich um fast 30 Prozent auf 1,88 Euro.<BR><BR>Der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, wertete dies als "für die Aktionäre und den BVB ziemlich katastrophale Situation". Borussia Dortmund war im Oktober 2000 an die Börse gegangen. Der Ausgabepreis lag bei elf Euro. Die Aktionäre pumpten damals rund 150 Millionen Euro in das Fußball-Unternehmen. Heute ist der ganze Betrieb an der Börse nur noch etwa 50 Millionen Euro wert. Die akuten Finanz-Probleme seien nicht neu entstanden, urteilt Kurz. "Man hat sie nur aufgedeckt." Borussia Dortmund habe lange Zeit "viel Geld eingenommen und es auf der anderen Seite mit vollen Händen rausgeschmissen. Die Leute waren blind für Risiken." Nach dem Rücktritt von Gerd Niebaum als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA spekuliert der Aktionärsschützer auch auf personelle Konsequenzen beim noch aktiven Geschäftsführer Michael Meier: "Man wird auch über Herrn Meier reden müssen. Er hat als Mitglied der Geschäftsführung mitzuverantworten, dass es zur jetzigen Situation gekommen ist." Anlegerklagen dürften nach Ansicht von Kurz kaum Aussicht auf Erfolg haben. "Chance auf Schadenersatz sehe ich nicht", erklärte er.<BR><BR>Auch Peter-Thilo Hasler, Analyst der HypoVereinsbank, stellte dem Management ein schlechtes Zeugnis aus. Die Krise sei nicht konsequent genug angegangen worden. "Da ist bisher viel zu wenig getan worden." Unternehmensbeteiligungen wie der Textilhersteller "goool.de", das Internetunternehmen "Sports & Bytes" sowie das Reisebüro "B.E.S.T.", die nicht zum Kerngeschäft des Fußballklubs gehören, sollten verkauft oder geschlossen werden, fordert er. Hasler rechnet damit, dass "auch die Halbjahreszahlen sehr schlecht ausfallen werden". Er sieht das Kursziel auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten bei einem Euro.<BR><BR>DSW-Sprecher Kurz befürchtet, dass der Niedergang des einzigen börsennotierten Fußballklubs in Deutschland aufgrund seiner großen Öffentlichkeitswirkung "für die Aktionärs-Kultur in Deutschland schädlich" sei. Angesichts des schlechten Abschneidens auch fast aller anderen europäischen Fußball-Aktien "kann man diese Papiere wohlmeinend nur als Fanartikel bezeichnen". Fans sind bekanntlich leidensfähig, Aktionäre nicht.<BR><BR></P>

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