+
Stefan Aßmann, Leiter Connected Industry bei Bosch. Foto: Julian Stratenschulte

Vor Hannover Messe

Bosch: Digitaler Wandel kann auch neue Jobs schaffen

Je mehr Roboter, desto weniger Arbeitsplätze - stimmt das? Bosch macht vor der Hannover Messe eine andere Rechnung auf: Je mehr neue Technik, desto mehr Mitarbeiter werden gebraucht. Man muss dabei aber immer auf die einzelne Tätigkeit und Qualifikation achten.

Hannover/Stuttgart (dpa) - Automatisierung und Digitalisierung in den Fabriken kann nach Einschätzung der Technologie-Branche auch Jobs sichern - und sogar neue entstehen lassen.

"Je mehr Technik es in einer Fabrik gibt, desto mehr hoch qualifizierte Leute braucht man, die die Systeme betreuen, warten und Verbesserungen einsteuern", sagt der Bosch-Ingenieur Stefan Aßmann, der bei dem Konzern die Sparte Connected Industry - vernetzte Industrien - leitet. Skeptiker befürchten dagegen, dass der Trend zu immer selbstständigeren Robotern künftig Arbeitsplätze kosten wird.

"Wir haben in einem Werk untersucht, wie der Personalstand heute ist und wie er in fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Das Beruhigende war: Es gibt eher mehr Bedarf an hoch qualifizierten Technikern", sagte Aßmann. "Wir sehen nicht die menschenleere Fabrik, sondern es gibt eher Technologie, die den Menschen hilft, die Maschinen besser am Laufen zu halten."

Bereits heute beschäftigen sich den Angaben zufolge bei Bosch rund 20 000 Entwickler mit Software. Beinahe jede zweite ausgeschriebene Stelle habe derzeit einen Bezug dazu. Das Unternehmen rechne zudem bis 2020 mit einer Milliarde Euro an zusätzlichen Ersparnissen sowie einer weiteren Milliarde Euro an zusätzlichem Umsatz.

Es gibt nach wie vor aber auch viele kritische Stimmen an der fortschreitenden Digitalisierung der Produktion - nicht nur aus dem Gewerkschaftslager. So hatte etwa die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, erst Anfang April vor den Folgen der zunehmenden Automatisierung auf dem Arbeitsmarkt gewarnt. "Die technologischen Veränderungen, die wir im Moment sehen, stellen eine echte Herausforderung dar", sagte sie in Berlin.

Fast alle Berufe würden sich künftig durch Innovationen wie Robotertechnik und künstliche Intelligenz ändern. Regierungen müssten weltweit dafür sorgen, dass aber auch neue Chancen für alle entstünden - und nicht nur traditionelle Jobs wegfielen. "Exzessive Ungleichheit ist unvereinbar mit stabilem Wachstum", meinte Lagarde.

Aßmann räumte ein, dass es "repetitive Tätigkeiten" gebe, die schon in den vergangenen Jahrzehnten durch Automatisierung wegrationalisiert worden seien - "das gab es und das wird es weiterhin geben". Grundsätzlich gelte aber: Vernetzung führe zu mehr Produktivität in Unternehmen und stärke die Wettbewerbsfähigkeit.

Beim Stillstand einer Maschine sei früher bis zur Reparatur eine gewisse Zeit vergangen. "Heute sind unsere Mitarbeiter mit Tablet oder Smartphone in der Werkstatt und bekommen dort schon eine SMS von der Maschine, was passiert ist und wie das Problem zu beheben ist", sagte der Ingenieur. Falls eine Maschine ein Ersatzteil benötige, scanne der Mitarbeiter nur noch den entsprechenden Barcode ein. Das Teil werde online bestellt. "Die Unterstützung des Menschen - und die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine - ist schon Normalität."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Saarland will Standort von Tesla-Fabrik werden
Saarbrücken (dpa) - Das Saarland bringt sich als Fabrik-Standort für den Elektroauto-Hersteller Tesla ins Gespräch.
Saarland will Standort von Tesla-Fabrik werden
Abschied vom Anschreiben? Firmen vereinfachen die Bewerbung
Wer einen Job sucht, hängt meist eine ganze Weile am Bewerbungsschreiben. Selbst was ausdenken oder kopieren? Manche Unternehmen verabschieden sich davon nun.
Abschied vom Anschreiben? Firmen vereinfachen die Bewerbung
„Von dem Verzehr wird dringend abgeraten“: Riesiger Rückruf bei Aldi und Co.
Verbraucherschützer warnen: Salmonellen-Alarm bei Aldi, Penny und Kaufland und Co.! Welche Märkte und welche Produkte betroffen sind, erfahren Sie hier.
„Von dem Verzehr wird dringend abgeraten“: Riesiger Rückruf bei Aldi und Co.
Borgward wagt sich zurück auf deutschen Markt
Oldtimer-Fans haben ihn nie vergessen, nun soll der Name Borgward auch allen anderen deutschen Autofahrern wieder ein Begriff werden. Die Traditionsmarke versucht sich …
Borgward wagt sich zurück auf deutschen Markt

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.