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Bosch-Werk München: Autozulieferer droht turbulente Betriebsversammlung wegen Schließungsplänen

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Von: Thomas Schmidtutz

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Bosch-Logo am Flughafen Stuttgart: Der Autozulieferer prüft die Schließung seines Werks im Münchner Osten. Bei den Mitarbeitern ist der Unmut groß.
Bosch-Logo am Flughafen Stuttgart: Der Autozulieferer prüft die Schließung seines Werks im Münchner Osten. Bei den Mitarbeitern ist der Unmut groß. © Marijan Murat/dpa

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch prüft die Schließung seines Werks in München. Am Mittwoch ist Betriebsversammlung. Die Stimmung vor dem Treffen mit der Werkleitung ist angespannt.

München – Die IG Metall hat Widerstand gegen die mögliche Schließung des Bosch-Werks in München Berg am Laim angekündigt. Man werde die Pläne nicht kampflos hinnehmen, kündigte der für Bosch zuständige Gewerkschaftssekretär Sascha Wojtkowski gegenüber Merkur.de an.

Gemeinsam mit dem Betriebsrat und externen Beratern arbeite man „mit Hochdruck an einem Alternativplan, um den Standort zu retten“. Derzeit würden die letzten Details geklärt. Dann wolle man dem Unternehmen das Konzept vorstellen und über die Vorschläge diskutieren.

Bosch Werk München: Gewerkschaft und Betriebsrat bereiten Alternativplan vor

Zwar nannte Wojtkowski noch keine Details. Doch sehe das Konzept eine Weiterführung des Standorts „mit mindestens 200 Beschäftigten“ vor, sagte der IG-Metall-Funktionär. Bosch beschäftigt an seinem Standort im Münchner Osten noch rund 250 Mitarbeiter.

Zuletzt hatten sich die Perspektiven für die Zukunft des Standorts deutlich eingetrübt. Erst Anfang des Monats hatten auch die kaufmännische Werkleiterin Jana Mischke (Personal) und ihr Kollege Jörg Luntz (Produktion) die Beschäftigten auf tiefe Einschnitte vorbereitet. „Die absehbare Stückzahlentwicklung der in München gefertigten Komponenten ist für die nächsten Jahre weiter rückläufig“, ließen Mischke und Luntz die Beschäftigten wissen. Diese Entwicklung werde die „bereits bestehenden Überkapazitäten in München noch weiter verstärken und so die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts weiter schwächen“, heißt es in einem Rundschreiben, das Merkur.de vorliegt.

Bosch München: Mehrere, mögliche Szenarien

Angesichts dieser Ausgangslage habe man mehrere alternative Szenarien geprüft. Neben der Verlagerung der Fertigung ins Bosch-Werk nach Hallein im Salzburger Land sowie an den Standort Campinas in Brasilien sei auch eine Verlagerung nach Nürnberg oder Budweis in Tschechien „wirtschaftlich noch darstellbar“. Der Verbleib der Fertigung in München „als verlängerte Werkbank für Nürnberg“ sei „jedoch unwirtschaftlich“, heißt es in dem Schreiben.

Eine Bosch-Sprecherin hatte die Überlegungen am Samstag gegenüber Merkur.de bestätigt und auf den Wandel vom Verbrenner zum elektrischen Antrieb verwiesen. Dies führe zu „erheblichen Überkapazitäten und damit zu einem hohen Anpassungsbedarf“, dem sich auch Bosch nicht entziehen könne.

Bosch fertigt am Standort in der Truderinger Straße elektrische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile. Künftig könnte der größte Autozulieferer der Welt die Fertigung von Kraftstoffpumpen womöglich ins tschechische Werk nach Budweis verlagern. Dort baut Bosch bereits Kraftstoffpumpen sowie die vollständige Tankeinheit. Die Einspritzventile könnten hingegen nach Hallein bei Salzburg oder ins Werk im brasilianischen Campinas abwandern, heißt es in informierten Kreisen.

Bosch München: Unmut bei den Beschäftigten „riesig“

Bei den Mitarbeitern in München sei der Unmut über die Pläne der Unternehmensleitung „riesig“, sagte IG-Metall-Mann Wojtkowski. Statt die Mitarbeiter persönlich zu informieren, habe die Werkleitung eine E-Mail versandt. Für Ärger sorge zudem, dass die Beschäftigten in München im vergangenen Jahr nach einem Brand im Werk in Campinas Extra-Schichten gefahren hätten, um den Produktionsausfall in Brasilien aufzufangen. Nun drohe das Unternehmen mit Kurzarbeit und Produktionsverlagerung in der Landeshauptstadt. „Von den Beschäftigten in München kann das keiner mehr nachvollziehen“, sagte Wojtkowski.

Viele dürften ihrem Ärger an diesem Mittwoch (21. Juli) Luft verschaffen. Dann hat der Betriebsrat zu einer Betriebsversammlung geladen. Angekündigt haben sich auch die beiden Werkleiter Jana Mischke und Jörg Luntz. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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