1. Startseite
  2. Wirtschaft

Bosch-Werk München: Betriebsrat kündigt erbitterten Widerstand gegen Pläne an - „Notfalls ketten wir uns an“

Erstellt:

Von: Thomas Schmidtutz

Kommentare

Bosch: Der weltgrößte Automobil-Zulieferer will die Fertigung in seinem Münchner Werk an andere Standorte verlagern. IG Metall und Betriebsrat laufen gegen die Pläne Sturm.
Bosch: Der weltgrößte Automobil-Zulieferer will die Fertigung in seinem Münchner Werk an andere Standorte verlagern. IG Metall und Betriebsrat laufen gegen die Pläne Sturm. © Christoph Schmidt/dpa

Bosch plant in seinem Münchner Werk tiefe Einschnitte. Betriebsrat und IG Metall lehnen die Pläne vehement ab und haben ein eigenes Konzept vorgelegt. Jetzt geht es in dem Konflikt ans Eingemachte.

München – Im Ringen um die Zukunft des Bosch-Werks in München* hofft das Unternehmen auf eine rasche Lösung: „Alle Karten liegen auf dem Tisch. Ich hoffe, dass wir noch vor Weihnachten zu einer Lösung kommen“, sagte Werkleiter Jörg Luntz gegenüber Merkur.de.

Zunächst wolle man jedoch die Gespräche mit dem Betriebsrat, der IG Metall und dem gewerkschaftsnahen Info-Institut abwarten. Der Termin war ursprünglich für den Donnerstag (18. November) geplant, musste jedoch am Dienstag krankheitsbedingt kurzfristig verschoben werden. Ein neuer Termin lag zunächst nicht vor. Bei dem Treffen wolle man gemeinsam mit der Werkleitung und der Führung des Geschäftsbereichs Powertrain über verschiedene Szenario-Rechnungen des Unternehmens sowie die alternativen Pläne des Betriebsrats diskutieren, hieß es.

Bosch Werk München: „Auftragsvolumen halbiert“

Der weltgrößte Autozulieferer beschäftigt an seinem Standort im Münchner Osten derzeit insgesamt noch 250 Mitarbeiter. Sie fertigen elektrische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile. Zuletzt war die Nachfrage nach den Komponenten wegen des weltweiten Wandels vom Verbrenner zum elektrischen Antrieb jedoch stark unter Druck geraten. Alleine in den vergangenen drei Jahren habe sich das Auftragsvolumen für Benzinpumpen „nahezu halbiert“, sagte Luntz am Montag. Dieser Trend werde sich mittelfristig fortsetzen. Dabei mache Bosch in seinem Münchner Werk bereits jetzt „erhebliche Verluste“. Darauf müsse man nun reagieren, sagte der Bosch-Manager.

Im Zuge der geplanten Neuausrichtung des Standorts* habe man bereits drei unterschiedliche Szenarien durchgerechnet. Neben einer vollständigen Verlagerung der Fertigung und Montage der Kraftstoffpumpen ins Bosch Werk im brasilianischen Campinas sei auch eine Verlagerung der Pumpenfertigung nach Nürnberg und Budweis „wirtschaftlich noch darstellbar“, erklärte Luntz. Die Einspritzventile sollen in beiden Szenarien künftig im Bosch Werk in Hallein in Österreich gebaut und montiert werden. Der ebenfalls geprüfte Verbleib der Pumpen- und Ventil-Fertigung in München „als verlängerter Werkbank für Nürnberg“ sei „jedoch unwirtschaftlich“, sagte Luntz.

Bosch Werk München: Weitreichende Pläne

Nach einem möglichen Ende der Produktion könne der Standort zu einem Forschungs- und Innovationszentrum umgebaut werden. So könnten in Trudering künftig etwa Software-Entwickler oder Sensor-Spezialisten zusammengezogen werden.

Ein Verkauf des Werks an der Truderinger Straße sei derzeit jedoch nicht geplant, versicherte Luntz. Zwar hätte es bereits zahlreiche Anfragen möglicher Interessenten gegeben. Für Bosch sei ein Verkauf des Standorts jedoch „aktuell kein Thema“.

Mit Blick auf das weitere Vorgehen sicherte Luntz den Beschäftigten zudem einen fairen Umgang zu. „Wir lassen die Mitarbeiter nicht im Regen stehen“. Man strebe eine „faire und sozialverträgliche Lösung“ an.

Bosch Werk München: Betriebsrat und IG Metall laufen gegen Umbaupläne Sturm

Betriebsrat und IG Metall lehnen die Umbau-Pläne für München hingegen vehement ab und haben dem Unternehmen ein eigenes Konzept* vorlegt. Man könne auch „Zukunftsprodukte fertigen oder innovative Serviceleistungen erbringen“, sagte der Betriebsratschef des Münchner Werks, Guiseppe Ciccone. Mindestens 200 Arbeitsplätze sollen so gerettet werden.

Um ihren Plänen Nachdruck zu verleihen, haben die Arbeitnehmer-Vertreter bereits heftigen Widerstand angekündigt. Am Freitag haben Betriebsrat und die IG Metall zu einem Solidaritätstag in München eingeladen - und zeigen sich im Kampf um ihre Arbeitsplätze wild entschlossen. „Notfalls“, sagte Betriebsratschef Ciccone im Vorfeld der Demo, „ketten wir uns an die Maschinen.“

Auch interessant

Kommentare