+
Bei der Explosion der "Deepwater Horizon"-Ölplattform am 20. April 2010 liefen Millionen von Litern Öl in den Golf von Mexiko.

Gerichtsurteil

BP hat Hauptschuld an "Deepwater Horizon"-Desaster

Washington - Der britische Energiekonzern BP hat nach Auffassung eines US-Bundesgerichts mit grob fahrlässigem Handeln die schwere Ölpest im Golf von Mexiko vor vier Jahren verursacht.

Das Unternehmen habe sich "rücksichtslos" verhalten und Risiken bei der Bohrinsel "Deepwater Horizon" bewusst ignoriert, befand der in New Orleans ansässige Bundesrichter Carl Barbier am Donnerstag. Auf BP könnten nun zusätzliche Strafen in Milliardenhöhe zukommen.

Der im Februar 2013 begonnene Prozess fasst die verbleibenden Zivilklagen gegen BP, den Schweizer Bohrinselbetreiber Transocean und die für die Zementarbeiten am Bohrloch verantwortliche US-Firma Halliburton zusammen. Im Kern geht es in dem komplexen Verfahren um die Frage, wer welchen Anteil an der Verantwortung für die schlimmste Ölpest in der Geschichte der USA trägt - und wer am Ende wie viel dafür bezahlen muss.

Die Hauptverantwortung wies Barbier nun eindeutig BP zu. Der britische Ölkonzern trage einen Anteil von 67 Prozent an der Gesamtschuld. Transocean und Halliburton wies der Richter wegen fahrlässigen Verhaltens 30 Prozent beziehungsweise drei Prozent der Schuld zu.

In einem nächsten Schritt legt das Bundesgericht die Höhe der Strafen fest. Barbier schrieb in seinem 152-seitigen Zwischenurteil, dass BP wegen Verletzungen des Gesetzes zum Wasserschutz mit "erhöhten Zivilstrafen" rechnen müsse. Die Summe könnte US-Medien zufolge bis zu 18 Milliarden Dollar (13,7 Milliarden Euro) betragen.

BP kündigte umgehend an, das "fehlerhafte" Urteil anzufechten. Die Feststellung der "groben Fahrlässigkeit" werde durch die dem Bundesgericht vorgelegten Beweise nicht gedeckt, teilte der Konzern mit.

Bei der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April 2010 waren elf Arbeiter ums Leben gekommen, hunderte Millionen Liter Erdöl strömten ins Meer. 87 Tage dauerte es, bis BP das Leck schließen konnte. Die Küsten von fünf US-Bundesstaaten wurden verseucht, der Fischfang und der Tourismus an der Golfküste schwer geschädigt.

BP hatte bereits mehrere tausend Zivilklagen außergerichtlich beigelegt und verpflichtete sich dabei zu Schadenersatz in Höhe von 7,8 Milliarden Dollar. Außerdem akzeptierte das Unternehmen in einer Vereinbarung mit der US-Justiz Strafzahlungen von 4,5 Milliarden Dollar. BP bekannte sich wegen Totschlags in elf Fällen sowie Verstößen gegen Umweltschutzgesetze schuldig - im Gegenzug stellte die US-Justiz das Strafverfahren ein.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Experten: Tarifabschlüsse könnten Konjunktur Schwung bringen
Mehr Impulse von innen statt durch Handel mit anderen Ländern - viele Experten setzen auf eine stärkere Nachfrage heimischer Verbraucher, um die Wirtschaft anzutreiben. …
Experten: Tarifabschlüsse könnten Konjunktur Schwung bringen
„Bin echt sauer“ - Über ein Aldi-Angebot ärgern sich viele Kunden
Riesen-Ansturm: Mit einem außergewöhnlichen Angebot lockte Aldi Süd am Freitag viele Kunden an. Deren Begeisterung schlug allerdings schnell in Ärger um.
„Bin echt sauer“ - Über ein Aldi-Angebot ärgern sich viele Kunden
Netzagentur: Werden Vodafone und Telekom gleich behandeln
Klare Ansagen von Netzagentur-Chef Homann zum geplanten Deal zwischen Vodafone und Unitymedia: Die neue Rolle des dann gewachsenen Kabelnetzbetreibers will er genau …
Netzagentur: Werden Vodafone und Telekom gleich behandeln
Neue Abgastests: VW-Produktionsengpässe ab August erwartet
Wohl jeder weiß inzwischen: Der Verbrauch, den Autobauer für viele Modelle angeben, dürfte in der Realität oft kaum zu erreichen sein. Der neue Prüfzyklus WLTP soll nun …
Neue Abgastests: VW-Produktionsengpässe ab August erwartet

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.