So brachten Geldtransport-Manager Kunden um 300 Millionen Euro

- Düsseldorf - Die Fahrer, die in gepanzerten Fahrzeugen Millionenbeträge an Bargeld transportieren, sollten einen tadellosen Lebenslauf vorweisen können. Das alles hilft aber wenig, wenn Manager im Hintergrund als Räuberbande agieren. Leitende Mitarbeiter des führenden deutschen Geldtransportunternehmens Heros haben ihre Kunden systematisch ausgenommen. Die Pleite war programmiert.

Es funktionierte nach dem Muster eines klassischen Schneeballsystems: Dessen Betreiber versprechen Menschen, die ihnen ihr Geld anvertrauen, hohe Renditen. Das eingesammelte Geld wird aber nicht angelegt. Daraus werden die Gutgläubigen zunächst mit den versprochenen ersten Auszahlungen belohnt. Der Rest verschwindet in den Taschen der Betreiber.

Das anfangs eingesetzte Geld ist verloren, sobald das System platzt. Allerdings dauert das im Normalfall eine ganze Weile: Solange der Andrang der Mitläufer, die am vermeintlichen Geldsegen teilhaben wollen, anschwillt, ist für reichlich Liquidität gesorgt. Meist sind es eher einfältige Naturen, denen man auf diese Weise ihr Geld abknöpfen kann. Im Fall Heros, lauten die Namen der Geschädigten: Commerzbank, Karstadt-Quelle, Metro . . . - fast alle deutschen Großbanken und Einzelhandelskonzerne sind den Geldtransporteuren auf den Leim gegangen.

Systematisch hat Heros Konkurrenten aus dem Feld geworfen und sich die Hälfte des deutschen Markts gesichert. Dabei wurden die Konkurrenten deutlich unterboten. Angebote lagen um mehr als 50 Prozent unter denen der anderen Anbieter. Nur zum Teil lässt sich das dadurch erklären, dass das Unternehmen unter dem - allgemeinverbindlich erklärten - Tarif zahlte. Nach außen war für Heros Geld kein Problem. Immerhin schaffte man es laufend, Konkurrenten aufzukaufen. So wuchs das Familienunternehmen zum Marktführer heran.

Immerhin 600 Millionen Euro transportierte Heros täglich. Dabei veruntreute 300 Millionen im Lauf mehrerer Jahre scheinen gering zu sein. Doch was transportiert wurde, ist umgesetztes Geld. Was den Heros-Kunden jetzt fehlt, ist verloren, mindert also den Gewinn. Die Sicherungen in den betroffenen Unternehmen waren offenbar durchgebrannt. Denn der billige Jakob unter den Geldtransporteuren leistete sich hohe Strafzinsen. An diesen setzte der Schneeball an.

Neun Prozent Zinssatz zahlte Heros vertragsgemäß seinen Kunden, wenn Geld verspätet aufs Konto kam - mehr als jede Bank. Das kann zu einer gewissen Nachlässigkeit geführt haben. Doch ein Teil des Geldes kam auch verspätet nicht an. Es wurde auf die Seite geschafft oder genutzt, um die Strafzinsen zu zahlen. So etwas kann an der Führung eines Unternehmens vorbei kaum funktionieren. Immerhin sind unter den vier bei Heros Verhafteten zwei Angehörige der obersten Führungsspitze, wie die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach bestätigte.

Irgendwann wäre der Schneeball ohnehin geplatzt. Möglicherweise wären die vier jetzt Verhafteten über alle Berge gewesen. Doch den Betrügern kam etwas dazwischen: Lidl, ein wichtiger Kunde, hatte wohl geahnt, dass etwas nicht stimmte. Weil "Unregelmäßigkeiten" aufgetaucht seien, habe man die Zusammenarbeit mit Heros zum Jahresende eingestellt.

Ein Schneeballsystem funktioniert aber nur, so lange steigende Einnahmen die wachsenden Kosten decken. Es kann also nichts Schlimmeres passieren, als wenn Kunden abspringen. Die Ansprüche von Lidl konnten noch befriedigt werden. Doch damit fehlte Geld, um andere hinzuhalten.

Doch das unausweichliche Ende kam noch schneller. Nach den Verhaftungen und der Durchsuchung von 25 Firmen und Privatwohnungen, kam das Ende. Der Handelsgigant Metro stellte sofort jede Zusammenarbeit ein. Andere wären sicher gefolgt. Doch der Insolvenzantrag für alle 23 Heros-Tochterfirmen kam ihnen zuvor.

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