Branchenfonds: In der Krise bleibt den Managern kein Ausweg

- München - Als 1999 und 2000 die Börsen explodierten, erblickten auch viele Finanzprodukte das Licht der Welt. Besonders gefragt waren Branchen- oder Themenfonds. In der Hausse liefen diese Produkte gut. Das bittere Erwachen folgte, als die Aktien auf Talfahrt gingen und Technologie-, Internet- oder Biotechfonds oben auf der Verliererliste standen. Nun fragen sich Anleger, was sie mit ihren Anteilen machen sollen und ob es ratsam ist einzusteigen.

Unter Branchenfonds versteht man Aktienfonds, die nur in vorgegebene Wirtschaftsbereiche investieren. Bei einem Biotechfonds darf der Manager nur Aktien von Biotechgesellschaften kaufen. Eine Spezialform sind Themenfonds, die ein etwas erweitertes Anlagespektrum haben. Ein Lifestylefonds kauft Aktien von Markenartikeln, Touristik- und Freizeitwerte.<BR><BR>Interessant sind Branchenfonds, weil man auf Zukunftsaussichten spezieller Wirtschaftsbereiche setzen und gegenüber Einzelwertinvestments das Risiko minimieren kann. Auch ist es möglich, zeitversetzte Wirtschaftszyklen bestimmter Branchen zu nutzen. Deutet sich wie derzeit ein Konjunkturaufschwung an, gelten Bank-, Versicherungs- und Automobilwerte als zyklische Frühstarter.<BR><BR>Das Fokussieren auf einen Anlageschwerpunkt kann aber auch zum Risiko werden, da Fondsmanager nicht in andere Segmente umschichten dürfen. Wenn zum Beispiel Internetwerte weltweit in den Keller gehen, hat ein Fondmanager eines Internetfonds keine Alternative.<BR><BR>Ein Manko ist die Tatsache, dass sich der Anleger aktiv kümmern muss, was mit Investmentfonds ja grundsätzlich vermieden werden soll. Man muss regelmäßig prüfen, ob die Branchen- oder Themen noch zeitgemäß sind.<BR><BR>Beim Kauf von Branchenfonds sollten auch "Sammelrisiken" beachtet werden. 1999/2000 kauften viele Anleger Technologiefonds, obwohl sie schon Aktien von Siemens, Yahoo, Microsoft, Nokia oder Telekom hatten.<BR><BR>Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Nachfrage nach Branchenfonds sehr zurückgegangen ist und einige Fonds aufgrund ihres geringen Volumens sogar vor der Schließung stehen. Trotzdem können diese eine interessante Depotbeimischung darstellen. Investmentansatz: Branchenfonds eignen sich grundsätzlich nur für spekulative Anleger zur aktiven Depotbeimischung.<BR><BR>Gerade, wenn man in sein Portfolio Wirtschaftszweige aufnehmen möchte, von denen es bisher nur wenige umsatzschwache Einzeltitel gibt (etwa Nanotechnologie), stellen Branchenfonds eine gute Alternative dar. Vor dem Kauf sollte man sich genau erkundigen: In welche Werte wurde bisher investiert? Auf welche Schwergewichte setzt er? Wie schwankungsanfällig ist er? Wie hoch war die Performance der letzten Jahre? Da man Branchenfonds von Zeit zu Zeit auch mal umschichten muss, eignen sich Tradingfonds besser als solche mit Ausgabeaufschlag. Wer sich nicht aktiv um sein Depot kümmern möchte, ist gut beraten, wenn er Branchenfonds in global investierende Aktienfonds tauscht. <BR><BR>

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