Brand im Advent: Wie die Gerichte darüber entscheiden

- Festlich geschmückte Adventskränze und Tannenbäume erfreuen nicht nur Kinderherzen. Wenn Gesteck, Kranz oder Baum jedoch selbst Feuer fangen, weicht die Freude schnell dem Schrecken. Ob Richter die Flammen wieder löschen konnten, zeigt folgende Urteilszusammenstellung:

<P>Nur menschlich</P><P>Manchmal verketten sich Ereignisse: Eine Mieterin ging zur Toilette, während ein Adventskranz mit brennenden Kerzen am Tisch stand. Gleich anschließend öffnete sie einem Gast die Tür. Dabei fiel die Wohnungstür in Schloss. Hinter der verschlossenen Tür entzündeten die Kerzen die Wohnung. Die Versicherung musste zahlen. Menschliche Unzulänglichkeit entspricht "leichter Fahrlässigkeit" (LG Nürnberg-Fürth, 7 S 4333/01).</P><P>Augenblicksversagen</P><P>Die Kinder rannten wegen plötzlichen Schneefalls aus der Wohnung. Die Mutter ließ nun den brennenden Adventskranz außer Acht, weil sie den Kleinen nachrannte. Es kam zum Brand. In diesem Fall konnte die Hausratversicherung den Schadenersatz nicht wegen grober Fahrlässigkeit verweigern. Es handelte sich um ein Augenblicksversagen der Mutter (LG Oldenburg, 11 U 161/99).</P><P>Kerzen auf Metall</P><P>Lässt eine Mutter ihre zehn und elf Jahre alten Kinder unbeaufsichtigt in der Wohnung zurück, während im Wohnzimmer ein Metalltablett mit 40 brennenden "Teelichtern" steht, die schließlich einen Brand verursachten, so ist der Mutter nicht der Vorwurf "grober Fahrlässigkeit" zu machen, da sie nicht davon ausgehen musste, dass sich Kerzen durch ein Metalltablett "durchfressen" könnten (LG München I, 15 S 8018/00).</P><P>Im Schlaf</P><P>Die Zimmer waren durch eine Glasscheibe getrennt. Im einem brannten die Kerzen am Kranz, im anderen saß der Mieter vor dem Fernseher - und nickte ein. Es brannte, zuerst der Kranz, dann die Wohnung. Die Hausratversicherung konnte die Regulierung des Schadens nicht wegen grober Fahrlässigkeit verweigern. (Oberlandesgericht München, 20 U 5148/98).</P><P>Vergessen</P><P>Entsteht durch "vergessene" Adventskerzen ein Brand, so darf die Hausratversicherung Leistungen nicht verweigern. Der Fall: Nach einem heftigen Streit verließen die Beteiligten, die nicht mehr an die Kerzen dachten, die Wohnung. Der Brand wurde "verschuldet", kam aber nicht "grob fahrlässig" zustande (OLG Oldenburg, 2 U 161/99).</P><P>Kind allein</P><P>Lassen Eltern ihr Kind in einem Zimmer mit brennenden Kerzen allein und kommt es zu einem Brand, so haben sie grob fahrlässig ihre Aufsichtspflicht verletzt und keinen Anspruch LG Stade, 3 S 38/97).</P><P>Reize entschuldbar</P><P>Das Frühstück beendeten Freund und Freundin im Bett statt am Frühstückstisch, auf dem der Adventskranz mit brennenden Kerzen stand. Die Wohnungseinrichtung fing Feuer. Doch durfte die Hausratversicherung Leistungen nicht mit der Begründung "grobe Fahrlässigkeit" verweigern. Vergesslichkeit wegen "körperlicher Reize" ist entschuldbar. (OLG Düsseldorf, 4 U 182/98).</P><P>Advent im Februar?</P><P>Geht ein ausgetrockneter Adventskranz in Flammen auf (hier: Anfang Februar) und wird dadurch die Einrichtung in Mitleidenschaft gezogen, braucht die Hausratversicherung wegen grober Fahrlässigkeit keinen Ersatz zu leisten (AG Frankfurt am Main, 32 C 2597/98-40).<BR></P>

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