Brauer hoffen auf Ende der Hopfen-Krise

München - Miserable Ernten haben Hopfen zu einem knappen und teuren Gut gemacht. Der Preis hat sich in den vergangenen Jahren teils verzehnfacht. Heuer hoffen die Brauereien auf Entspannung am Markt. Ob es dazu kommt, entscheidet sich in den nächsten Wochen.

Bier und Hopfen bilden eine "symbiotische Schicksalsgemeinschaft", sagt Stephan Barth, Geschäftsführer des weltgrößten Hopfenhändlers Joh. Barth & Sohn. Bier kommt ohne den Hopfen als bitteres Würzmittel nicht aus. Und Hopfen kann zu kaum etwas anderem verwendet werden als zum Bierbrauen. Jahrelang hatten die Brauereien in dieser Beziehung die Oberhand. Ein Überangebot beim Hopfen ließ die Preise abstürzen. In der Folge pflanzten immer weniger Bauern Hopfen an. Doch inzwischen hat der Markt gedreht.

Miserable Ernten in weiten Teilen der Welt haben das Angebot einbrechen lassen. Da aber die Weltbierproduktion weiterhin deutlich zunimmt - im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent -, ist Hopfen knapp geworden. Von 2005 bis 2007 habe sich der Preis auf dem Markt für kurzfristige Käufe etwa verzehnfacht, erklärte Barth gestern in München. Deshalb hätten viele Brauereien zuletzt ihre Bierrezepturen geändert - etwa andere Hopfensorten eingesetzt oder die Bittergaben reduziert. Für den Verbraucher seien solche Maßnahmen nicht zu merken, sagte der Hopfenhändler, dessen Familie das 1794 gegründete Nürnberger Unternehmen in achter Generation führt und seit 1878 einen jährlichen Bericht zur Lage am Hopfenmarkt herausgibt.

Inzwischen wächst die Hopfenanbaufläche wieder - heuer wird weltweit eine Zunahme um etwa zehn Prozent oder 6000 Hektar erwartet. Sollte eine durchschnittliche Ernte eingefahren werden, reicht das Angebot gerade aus, um den weltweiten Bedarf zu decken. Über Vorverträge sind die Ernten 2008 und 2009 praktisch schon verkauft. Die bei den Brauereien weitgehend leeren Vorratslager könnten dann aber nicht gefüllt werden, weshalb die Brauereiwirtschaft "anfällig für schwache Ernten" bliebe, wie Barth schätzt. Sollte es erneut zu einer schwachen Ernte kommen, könnte erstmals der Hopfen nicht ausreichen, um die weltweite Bierproduktion zu decken.

Die Ernte steht in den Hopfenanbaugebieten - das größte der Welt ist die Hallertau zwischen Ingolstadt und Landshut - in den kommenden Wochen an. Man gehe bislang von einer durchschnittlichen Ernte aus, erklärte Barth. Aber Hagel, Ungeziefer oder eine Hitzephase könnten auch kurzfristig noch das Hopfen-Angebot ruinieren, warnte Barth: "Der August ist der Nehmer oder der Geber."

Für den Hopfenhandel war das mit dem Juli endende Geschäftsjahr schon der Geber. Der Umsatz von Joh. Barth & Sohn ist von rund 100 auf etwa 150 Millionen Euro hochgeschossen - überwiegend wegen gestiegener Preise.

Neben dem Hopfenpreis haben sich viele andere Kosten der Brauereien erhöht. Braugerste hat sich deutlich verteuert. Zudem machen gestiegene Energiekosten den Brauern zu schaffen. In der Folge kletterte der Bierpreis zuletzt um etwa einen Euro pro Kasten. Der Kostendruck dürfte der Konsolidierung in der Branche weiteren Antrieb geben. Mit Inbev und Anheuser-Busch wollen die Nummern zwei und drei im Markt (nach SAB Miller) fusionieren. Die 40 größten Brauereigruppen der Welt kontrollieren bereits 85 Prozent des globalen Marktes.

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