Brauer in der Rohstoff-Krise

München - An den Rohstoffmärkten sind die Preise in die Höhe geschossen nicht nur bei Gold und Öl, sondern auch bei den Grundsubstanzen für das Bier. Der Preis für Braugerste hat sich binnen zwei Jahren mehr als verdoppelt. Hopfen ist so knapp, dass es heuer erstmals zu wenig davon geben könnte, um die Welt-Bierproduktion zu decken.

"Hopfen und Malz, Gott erhalt's" - mit diesem frommen Wunsch dürfte sich derzeit mancher Brauer tragen. Malz aus der Braugerste ist der Hauptrohstoff für Bier, das nach dem Reinheitsgebot produziert wird. Vom Malz hängt es maßgeblich ab, wie das Bier schmeckt, wie es schäumt, welche Farbe und wie viel Alkohol es hat. Der Hopfen ist das Würzungsmittel. Die in ihm enthaltenen Stoffe verleihen dem Bier das bittere Aroma. Jahrelang wurden beide Rohstoffe wegen Überangebots verschleudert. Inzwischen ist der Markt gekippt.

"Braugerste war zu billig. Die Preise waren für die Landwirtschaft nicht mehr kostendeckend", räumt Walter König, Rohstoffexperte des Bayerischen Brauerbunds, ein. Stattdessen boten sich für die Bauern Zuckerrüben, Weizen und Mais an, die als Grundstoffe für die Gewinnung von Bioenergie genutzt werden. Das führte zu einem Rückgang der Anbaufläche für Braugerste. Als in den vergangenen beiden Jahren der Frühling heiß und trocken ausfiel, fuhren die Bauern eine schlechte Ernte ein. Aus Überfluss wurde Knappheit. Der Braugersten-Preis ist in die Höhe geschossen.

Braugerste ist überwiegend ein regionales Geschäft, weil der Transport teuer, die Lage auf dem Weltmarkt auch nicht einfacher und der Einkauf vor Ort für viele Mittelständler Philosophie ist. Beispiel Ayinger: Die Brauerei aus dem Osten Münchens kauft den Bierrohstoff überwiegend vor der Haustür ein. "Wir denken regional. Mit unseren Lieferanten haben wir lange Erfahrung. Wir sitzen an einem Tisch und versuchen, realistische Preise zu finden", sagt Hans-Jürgen Iwan, Erster Braumeister bei Ayinger. Die Vorstellung davon, was realistisch ist, hat sich allerdings allgemein drastisch gewandelt. "Für Braugerste ist der Preis inzwischen mehr als doppelt so hoch wie vor zwei Jahren", berichtet König. Zurzeit liegt der Malzeinsatz nach Angaben des Brauerbunds bei etwa fünf Cent pro Halbe Bier. Und daran wird sich vorerst wohl wenig ändern. "Der Preis wird auf Sicht von etwa zwei Jahren kaum vom derzeitigen Niveau herunterkommen. Dann erwarten wir eine leichte Beruhigung. Aber die Brauwirtschaft wird sich daran gewöhnen müssen, Bierrohstoffe wesentlich teurer zu kaufen als in der Vergangenheit." Das gilt umso mehr für den Hopfen.

Die Hallertau zwischen Ingolstadt und Landshut ist das größte Hopfenanbaugebiet der Welt. Hier kommt etwa ein Drittel der Welthopfenproduktion her. Davon zehren nicht nur Brauer aus Bayern, sondern aus allen Teilen der Erde. Anders als Braugerste ist Hopfen ein "totaler Weltmarkt", erklärt Johann Pichlmaier, Präsident des Verbandes deutscher Hopfenpflanzer in Wolnzach. Während in Deutschland immer weniger Bier getrunken wird, nimmt der Konsum weltweit deutlich zu - vor allem in Schwellenländern. China ist bereits vor den USA und Deutschland der größte Biermarkt der Erde. Entsprechend steigt der globale Bedarf an Hopfen.

Eine Zeit lang schlug sich das nicht auf den Markt nieder, weil die Brauereien ihre Lagerbestände abgebaut hatten und dazu übergegangen waren, sich bei zusätzlichem Bedarf kurzfristig zu versorgen. Angesichts niedriger Preise war das günstig, führte aber dazu, dass die Anbaufläche für Hopfen geschrumpft ist. Und das rächt sich jetzt. Auch beim Hopfen waren 2006 und 2007 magere Ernte-Jahre. "Die Lager sind leer, der Hopfenhandel ist über Vorverträge schon für 2008 und 2009 komplett ausverkauft", beschreibt König die heutige Lage. Die Folge: Der Hopfenpreis liege vier- bis fünfmal so hoch wie vor zwei Jahren.

Die Brauer schließen jetzt verstärkt langfristige Verträge mit den Hopfenpflanzern. Dies gilt als Voraussetzung für eine Stabilisierung des Marktes. Denn Hopfen ist ein sensibles Gewächs. Pro Hektar verursacht er 350 Arbeitsstunden im Jahr - 200-mal so viel wie Getreide.

"Wir reagieren schon mit zusätzlicher Anbaufläche, aber wir benötigen Zeit", sagt Verbandschef Pichlmaier. Hopfen wirft hierzulande frühestens im Jahr nach der Pflanzung eine Ernte ab. Heuer wird es also kritisch. "Bei einer normalen Ernte wäre der Markt ausgeglichen", erklärt Thomas Kastner von der Nürnberger Barth-Haas-Gruppe, dem größten Hopfenhandelskonzern der Welt. "Aber es gibt Nachholbedarf, um die Lagerbestände wieder aufzubauen." Pichlmaier sagt: "Eigentlich bräuchten wir weltweit eine sehr gute Ernte. Bei einer schlechten würde es ein Versorgungsproblem geben." Unter Umständen könnten einige Brauer heuer nicht so viel Bier produzieren wie geplant, weil der Hopfen fehlt. Dies betreffe aber weniger Unternehmen in Europa, sondern eher in Asien. Mittelfristig werde sich die Lage entspannen, glaubt Kastner. "Was kurzfristig passiert, steht und fällt mit dem Wetter."

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