Brauer trotzen dem sinkenden Bierkonsum - Preiserhöhung steht an

München - Die bayerische Brauwirtschaft stemmt sich dank guter Exportgeschäfte gegen den deutschlandweit rückläufigen Bierkonsum. Der Kasten Bier wird trotzdem bald einen Euro teurer.

Der Bierabsatz sei 2007 im Vergleich zum Fußball-WM-Jahr 2006 leicht um 0,1 Prozent auf 22,9 Millionen Hektoliter gestiegen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, Lothar Ebbertz, am Donnerstag in München. Allerdings habe der verregnete Sommer auch im Freistaat auf die Nachfrage gedrückt. Ebbertz erklärte jedoch: "Es könnte uns schlimmer treffen." Sorgen bereiten den Brauern die teils drastisch gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise, die die Unternehmen zu Preiserhöhungen zwängen.

In den ersten vier Monaten des Jahres werde es zu Preiserhöhungen von etwa einem Euro je Kasten Bier kommen, sagte Brauerbund-Präsident Michael Weiß und bekräftigte damit frühere Aussagen. Neben der Braugerste habe sich auch der Hopfen kräftig verteuert. Die Brauer appellierten daher an die Landwirte, den Anbau zu stärken und so zu mehr Planungssicherheit beizutragen.

Ein Arbeitskampf in der bayerischen Brauwirtschaft mit ihren 10 000 Beschäftigten konnte über eine Schlichtung abgewendet werden. Mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten einigten sich die Arbeitgeber auf eine Einkommenserhöhung vom 1. März an um 2,9 Prozent, die Beschäftigten der Münchner Brauereien sollen sogar 3,5 Prozent mehr Geld bekommen. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 300 Euro netto sowie zusätzlich 300 brutto. Auszubildende erhalten 200 Euro netto. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis 31. Dezember 2008. "Der Abschluss bietet sicher keinen Anlass zu überschwänglichem Jubel", sagte Weiß. Es sei generell der falsche Weg, den gestiegenen Lebenshaltungskosten mit immer stärkeren Lohnerhöhungen zu begegnen.

Für dieses Jahr hoffen die Brauer angesichts der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz auf ein gutes Geschäft. Generell bleibe es aber bei dem Trend, dass der Bierdurst in Deutschland weiter abnehme, sagte Weiß. Dazu trage schon das veränderte Freizeitverhalten der Menschen bei. "Wo die Leute früher zum Stammtisch und zum Schafkopfen gingen, gehen sie heute ins Fitnessstudio."

Mit Blick auf das Thema Gesundheitsschutz warf der Brauerbund-Präsident der Politik einen teils "blindwütigen Kampf gegen den Alkoholmissbrauch" vor. Zwar seien auch die Brauer der Überzeugung, dass der Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen wirksam bekämpft werden müsse. Es gelte aber, die wahren Ursachen für den Alkoholmissbrauch aufzudecken. Mit einem "Brauerkodex" will die Branche nun für einen maßvollen Genuss geworben werden. Kritisch sieht der Brauerbund auch das bundesweit schärfste Gesetz zum Nichtraucherschutz in Bayern. Man wolle nun das erste Quartal abwarten, um die Auswirkungen auf den Bierabsatz in der Gastronomie einschätzen zu können, sagte Weiß.

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