Breite Kritik an Preiserhöhung der Bahn

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Berlin (dpa) - Nach der angekündigten Fahrpreiserhöhung wird die Deutsche Bahn von Verbraucherschützern und Verkehrsexperten scharf angegriffen. Das Unternehmen verpasse damit die Chance, neue Kunden zu gewinnen.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wies die Darstellung von Bahnchef Hartmut Mehdorn zurück, die Fahrkarten müssten auch wegen "weit überdurchschnittlich steigender Personalkosten" im Dezember teurer werden. Der Börsengang der Bahn ist nach einem Bericht des Magazins "Capital" für den 27. Oktober terminiert. Die Aktien sollen vom 13. Oktober bis 24. Oktober gezeichnet werden können, hieß es unter Berufung auf Bankenkreise. Das Unternehmen bestätigte dies nicht. "Wir haben gesagt "im Herbst", und dabei bleibt es", sagte Konzernsprecher Reinhard Boeckh.

Die Ticketpreise sollen wegen stark gestiegener Energie- und Personalkosten zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember nach zwölf Monaten erneut steigen - wie stark, ließ die Bahn zunächst offen. Es wird die elfte Preiserhöhung seit der Bahnreform 1994 sein.

Der Verkehrsexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Otmar Lell, rügte die Strategie der Bahn. "Die gestiegenen Energiepreise, die die Bahn als maßgeblichen Grund aufführt, könnten genauso gut ein Anlass sein, die Preise nicht zu erhöhen oder sogar zu senken, weil die Züge gut ausgelastet sind", sagte Lell der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Die Erhöhung der Energiepreise trifft den Autoverkehr deutlich stärker. Man kann sich fragen, ob das nicht eine zusätzliche Chance für die Bahn ist."

Ähnlich argumentierte der verkehrspolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer: "Das Bahn-Management sollte seine Energie lieber auf die Entwicklung eines attraktiven Preissystems verwenden, das die Kapazitätsauslastung steigert und Vielfahrer belohnt."

Die Verbraucherzentralen sehen einen Zusammenhang zwischen der geplanten Preiserhöhung und dem für Herbst angestrebten Börsengang. "Die Bahn gibt den Vorteil des Verkehrsträgers nicht weiter, sondern hat das Ergebnis im Blick", sagte Lell. Der Bundesgeschäftsführer der Linken, Dietmar Bartsch, sprach von einem "faulen Manöver", das offensichtlich nur dem Zweck diene, "die Bahn als Braut mit dicker Mitgift aufs Börsenparkett zu schicken".

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte, der jüngste Tarifabschluss mit seiner Gewerkschaft habe die Bahn im ersten Halbjahr lediglich 14 Millionen Euro mehr gekostet als im Vergleichszeitraum 2007. Die gesamten Personalkosten für die rund 20 000 Lokführer der Bahn beliefen sich auf 44 Millionen Euro im Monat. Im ersten Halbjahr habe die Bahn den Gewinn vor Steuern und Zinsen um 6,8 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro verbessert. Das zeige, wie fadenscheinig Mehdorns Begründung für die Preiserhöhung sei.

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