Breite Kritik an Verkauf des Berliner Verlags

- Berlin - Allem Widerstand aus der Redaktion zum Trotz ist der Übernahmepoker um den Berliner Verlag entschieden: Holtzbrinck verkauft die Gruppe ("Berliner Zeitung", "Berliner Kurier", "Tip") an Investoren um den Medienunternehmer David Montgomery. Die Debatte um den Einstieg von britischen Gesellschaften dürfte damit aber noch nicht beendet sein, hat doch der Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Uwe Vorkötter, schon vergangene Woche massiv gegen Montgomery Front gemacht.

Auch gestern gingen die Proteste weiter: In einem in der "taz" veröffentlichten Aufruf sprachen sich Publizisten, Politiker und Wissenschaftler gegen den Verkauf aus. "Pressefreiheit ist nicht die Freiheit von Finanzjongleuren, mit Zeitungen zu zocken", heißt es in der unter anderen von Günther Grass, Gesine Schwan, Jürgen Trittin und dem Historiker Hans Mommsen unterzeichneten Erklärung.

Der Investor Montgomery habe in Großbritannien keinen Ruf mehr zu verlieren. Das von ihm geführte Konsortium wolle den profitablen Berliner Verlag kaufen. "Aus der Sicht von Finanzabenteurern ein normales Geschäft, aber deren Raffgier kann den publizistischen Ruin bedeuten", kritisieren die Unterzeichner. Verantwortlich für den Aufruf zeichnen Thomas Leif und Hans Leyendecker vom Netzwerk Recherche, einer Journalistenvereinigung, die jüngst schon einmal vor dem Einstieg des "britischen Kahlschlag-Sanierers" warnte.

Auch "Berliner Zeitung"-Chefredakteur Vorkötter nahm deutlich Stellung. Er meldete sich vergangene Woche "in eigener Sache" zu Wort: Es stehe zu befürchten, dass Abstriche am Angebot der Zeitung und ihrem Profil gemacht werden müssten, falls die Finanzinvestoren Gesellschafter würden, schrieb er. Dass speziell Montgomery bei Vorkötter auf wenig Gegenliebe stößt, wurde dabei deutlich: "Wenn er Pläne, Konzepte und Ideen hätte, müsste ich sie jetzt kennen." Auch Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) und die Journalistenverbände haben den Verkauf des Berliner Verlags an britisch-amerikanische Investoren kritisiert.

Montgomery selbst äußerte sich nach der Bekanntgabe des Verkaufs bei Deutsche-Welle-TV: "Wir werden uns zunächst die Kostenstruktur genau ansehen. Es soll keine Qualitätseinbußen geben, aber natürlich gibt es immer Möglichkeiten, effizienter zu arbeiten", gab der Mecom-Chef die Richtung vor. Bei dem Engagement seiner Investmentgesellschaft in Berlin gehe er von einem "hoffentlich sehr langen Zeitraum" aus. "Wenn wir expandieren, etwa durch weitere Akquisitionen, könnten es mehr als drei Jahre werden."

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