Mit Brennstoffzellen auf Börsenkurs

Mittelstand im Blickpunkt: - Raus aus dem Labor, rein in den Alltag - das ist dem Unternehmen Smart Fuel Cell (SFC) mit seinen Brennstoffzellen früher als allen anderen gelungen. Jetzt will SFC mit seinen ökologisch unbedenklichen Stromlieferanten an die Börse.

Brunnthal - "Methanol rein, Strom raus" - so funktioniert eine Brennstoffzelle für den Laien erklärt. Im Fachjargon gesprochen handelt es sich um eine galvanische Zelle, die chemische in elektrische Energie umwandelt. Der Vorteil gegenüber einem normalen Verbrennungsmotor: "Wir brauchen nur einen einzigen Umwandlungsschritt, statt der üblichen drei, sodass weder viel Energie verloren geht, noch Wärme oder Abgase freigesetzt werden", betont Jens Müller, technischer Vorstand der Firma Smart Fuel Cell (SFC).

Vor drei Jahren gelang es dem Unternehmen aus dem südlichen Münchner Landkreis Brunnthal, diese Technik auf den Markt zu bringen. "Eine solche Zelle im Labor am Laufen zu halten, können mittlerweile viele", sagt Peter Podesser, Vorstandsvorsitzender bei SFC, aber im Alltag, bei Wind und Wetter, bei plus 20 oder minus 40 Grad Celsius, bei hoher Luftfeuchtigkeit, in jeder Schieflage, da seien sie die Ersten gewesen - "mit Abstand". "Wir sind weltweit Marktführer und bieten mehr Systeme an als alle anderen zusammen", betont Podesser.

Die Technologie "Strom abseits der Steckdose" findet sich mittlerweile in Wohnmobilen, Segeljachten, Ferienhütten, Verkehrsüberwachungssystemen, Observationsstationen, Leichtelektrofahrzeugen und auch im Militärbereich. "Wir haben sowohl die US-Army als auch die US-Air-Force und die Bundeswehr auf unserer Kundenliste", so Podesser.

"Jenny" heißt das System, das bereits hunderte Soldaten auch in anderen Nato-Staaten am Körper tragen. Normalerweise schleppen die Männer 13 Kilo nur Batterien mit, um ihre technischen Gerätschaften am Laufen zu halten. "Mit Jenny müssen sie 80 Prozent weniger Gewicht tragen", so Podesser. Ein kleines schwarzes Kästchen mit einer angeschraubten Flasche Methanol ersetzt den Großteil der Ersatz-Batterien. Und es ist für den Einsatz im Gelände extrem robust, wie Podesser gleich beweist und "Jenny" recht unsanft auf die Tischkante schlägt.

Für den Freizeitmarkt hat SFC die Marke "Efoy" - Energy for you - entwickelt. Die grauen Kästen fürs Wohnmobil wiegen rund sieben Kilo und kosten ab 2000 Euro aufwärts. Schließt man die Zelle an einen Zehn-Liter-Kanister Methanol, reicht das für rund 14 Tage Strom, ohne in der Nähes eines Netzes zu sein. "Die Leute wollen schließlich ihr kühles Bier und ihren Fernseher, egal wo sie sind", sagt Müller. Den Industrie-Alkohol Methanol gibt es mittlerweile an 450 Stellen in ganz Europa zu kaufen oder im Internet zu bestellen.

Rund sieben Millionen Euro Umsatz machte SFC vergangenes Jahr mit ihren Brennstoffzellsystemen - Profit wirft das 80-Mann-Unternehmen allerdings noch nicht ab. "Auch 2007 wird wieder ein Jahr der Investitionen", stellt Podesser klar. Der nun angestrebte Gang an die Börse - begleitet von der Citi-Bank und Sal. Oppenheim - soll in den nächsten Wochen starten. Man wolle damit zusätzliche Mittel gewinnen, um das angestrebte Wachstum - "über 100 Prozent" - zu finanzieren. "Außerdem wollen wir dadurch die Bekanntheit der Marke steigern", erklärt Podesser. Er sieht ein enormes Potenzial, schließlich würden allein in Europa rund zwei Millionen Wohnmobile fahren - alles potenzielle Kunden.

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