+
Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni musste Ryanair die Flugtickets im Schnitt bereits 10 Prozent billiger abgeben als im Vorjahreszeitraum. Foto: Thomas Frey

Ryanair klammert sich an Gewinnziel

Die Angst vor weiteren Terrorattacken in Europa belastet auch die Fluggesellschaften. Die Buchungen gehen zurück. Beim Billigflieger Ryanair wackelt die Geschäftsprognose.

Dublin (dpa) - Die Terrorangst und der Brexit bedrohen auch die Gewinnpläne des irischen Billigfliegers Ryanair. Der bevorstehende Ausstieg der Briten aus der EU könnte das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr zu einer Senkung seiner Gewinnprognose zwingen, kündigte Ryanair-Chef Michael O'Leary in Dublin an.

Vorerst peilt Europas größte Billigfluggesellschaft für das Geschäftsjahr bis Ende März 2017 jedoch weiterhin einen Überschuss von 1,375 bis 1,425 Milliarden Euro an.

Nachdem die Lufthansa ihre Prognose vor wenigen Tagen gekappt und Easyjet ihr Gewinnziel komplett gestrichen hatte, wurden die Ryanair-Nachrichten an der Börse mit Erleichterung aufgenommen. Der Aktienkurs des Billigfliegers legte kurz nach Handelsstart in London rund sechs Prozent zu. Seit dem Votum der Briten für einen Ausstieg aus der Europäischen Union hatte das Papier rund ein Fünftel seines Werts verloren.

Die Unsicherheit unter den europäischen Reisenden hält allerdings an - und wird durch die jüngsten Terroranschläge in Europa noch verschärft. Laut Ryanair hielt die Furcht vor weiteren Attacken zuletzt viele Menschen vo einer Buchung ab. Das schwache britische Pfund und Streiks der Fluglotsen verstärkten die Zurückhaltung.

In der Hauptreisezeit von Juli bis September dürften die Ticketpreise im Schnitt mindestens sechs Prozent niedriger ausfallen als ein Jahr zuvor, schätzt O'Leary. "Wie es ausgeht, hängt ganz stark von den Buchungen für August und September ab", sagte er. Im kommenden Winter dürften die Ticketpreise sogar 10 bis 12 Prozent sinken.

Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni musste Ryanair die Flugtickets im Schnitt bereits 10 Prozent billiger abgeben als im Vorjahreszeitraum. Dank eines ausgeweiteten Flugangebots wuchs der Umsatz dennoch um zwei Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der billigere Treibstoff und weitere Einsparungen ließen den Gewinn um vier Prozent auf 256 Millionen Euro steigen.

Besonders der Brexit wirbelt die Zukunftspläne der Iren durcheinander. Ryanair-Chef O'Leary hatte über Monate hinweg für den Verbleib Großbritanniens in der EU geworben. Die Flüge von den britischen Inseln machen einen Großteil seines Geschäfts aus. Sollte Großbritannien mit dem Austritt aus der EU auch den Luftverkehrsbinnenmarkt verlassen, müsste Ryanair seine Pläne gründlich ändern.

Die Ryanair-Führung rechnet nun mit einer Phase der Unsicherheit von zwei bis vier Jahren - bis klar sei, welche Folgen der Brexit für die Luftfahrt habe. In dieser Zeit erwartet O'Leary niedrigere durchschnittliche Ticketerlöse und Gewinne. In den kommenden zwei Jahren soll Ryanair vor allem außerhalb Großbritanniens wachsen.

Noch übler könnte der Brexit die britische Ryanair-Rivalin Easyjet treffen. Deren Chefin Carolyn McCall hatte vergangene Woche ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September gestrichen - wegen des schwachen britischen Pfunds, der Verunsicherung durch den Brexit und der Terrorangst.

Bei der Lufthansa belastet vor allem die Angst vor Anschlägen das Geschäft. Vor allem auf den Langstreckenverbindungen nach Europa hätten die Vorausbuchungen deutlich nachgelassen, hatte der Vorstand um Konzernchef Carsten Spohr berichtet.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ifo-Geschäftsklima trübt sich ein
München (dpa) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni erwartungsgemäß eingetrübt. Wie das Ifo-Institut in München mitteilte, fiel der von ihm …
Ifo-Geschäftsklima trübt sich ein
Wettstreit um Supercomputer: Der schnellste der Welt steht nicht mehr in China 
Zwei Jahre lang führte China die Liste der schnellsten Supercomputer der Welt souverän an, jetzt hat eine andere Nation den ersten Platz übernommen. 
Wettstreit um Supercomputer: Der schnellste der Welt steht nicht mehr in China 
Borgward wagt sich mit erstem Modell auf deutschen Markt
Stuttgart (dpa) - Mit Online-Vertrieb und einer Allianz mit der Werkstattkette A.T.U versucht der Autobauer Borgward nun auch auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.
Borgward wagt sich mit erstem Modell auf deutschen Markt
US-Handelskonflikt belastet zunehmend deutsche Wirtschaft
Zollstreit, Unionszwist und eine neue Regierung in Italien: Unsicherheiten für die deutsche Wirtschaft gibt es derzeit genug. Das drückt Experten zufolge auch auf die …
US-Handelskonflikt belastet zunehmend deutsche Wirtschaft

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.