Brillanten-Füller und Platin-Flügel: Russlands Neureiche klotzen

- Moskau - Für den Klavier-Fabrikanten Blüthner hat sich die Reise nach Moskau gelohnt. "Acht Flügel haben wir in den ersten Tagen verkauft", schwärmt Geschäftsführer Christian Blüthner am Rande der ersten russischen "Millionärsmesse". Ob der Edelfüller mit Brillanten für eine Million Dollar, eine eigene Insel oder die neue S-Klasse von Daimler-Chrysler: "In Russland sind viele Menschen bereit, für schöne Dinge Geld auszugeben", sagt Blüthner. Selbst für einen mit Platin verkleideten Flügel fand sich in Moskau ein Abnehmer.

Kaum eineinhalb Jahrzehnte nach dem Zerfall der grauen Sowjetunion herrscht in Moskau und einigen anderen Millionenstädten Russlands ein Goldrausch. Allein in der Hauptstadt leben nach Schätzungen 20 Dollar-Milliardäre. Mehr Superreiche kann auf der Welt bislang nur New York aufbieten. Die Zahl der Millionäre wird in Russland auf knapp 90 000 geschätzt. Bei den allermeisten Neureichen gehört das Understatement nicht zu den vorherrschenden Tugenden.

Der letzte Schrei sind schwarz lackierte Hubschrauber

Der letzte Schrei in der Szene sind schwarz lackierte Hubschrauber für den Privatgebrauch. Auf der Nobelausstellung kann sich der Interessent gleich mit dem neuesten Modell aus russischer Produktion eindecken. Auch die Lufthansa mischt im Luxussegment mit. Auf der "Millionärsmesse" wirbt die deutsche Fluggesellschaft für ihr Privatjet-Programm, das den anspruchsvollen Kunden von Frankfurt oder München zu fast jedem Flughafen in Europa bringt. Nach Deutschland muss der reiche Russe aber weiterhin Linie fliegen, noch fehlen "Lufthansa Private Jet" die Flugrechte für Russland.

Wer in der Moskauer High-Society imponieren will, zeigt allen anderen, was er hat. Gleich am ersten Tag der "Millionärsmesse" finden drei Luxuskarossen der Marke Bentley ihre Abnehmer. Der Konkurrent Daimler-Chrysler präsentiert mit großem Pomp seine neue S-Klasse. "Unsere neueste Errungenschaft haben wir gerade erst auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt vorgestellt und jetzt sind wir damit schon in Moskau", betont der Chef von Daimler-Chrysler Rus, Jürgen Sauer.

Die weltweiten Rekordpreise für Öl, Stahl und andere Rohstoffe haben die Gewinne einer dünnen russischen Unternehmerschicht explodieren lassen. Mit dem Ansteigen der Kontostände wachsen auch die Ansprüche ins Unermessliche. "Den Moskauern darf man mit nichts kommen, was es irgendwo sonst in Europa schon gibt", erkannte der Russlandchef des schwedischen Konzerns Ikea, Lennart Dahlgren, bereits vor Jahren. Entsprechend geklotzt wird bei den Neuanschaffungen in Moskau.

Das höchste Wohnhaus Europas im Nordwesten der russischen Metropole ist fertig gestellt. Wenige Kilometer weiter südlich wächst das künftig höchste Gebäude des Kontinents Etage um Etage. "Die Russen wollen nur allerbeste Qualität. Der Preis ist Nebensache", freut sich einer der Aussteller auf der Messe.

Der Absatz des Klavierherstellers Blüthner in Russland hat sich im Vorjahr verdoppelt und macht mittlerweile ein Zehntel des gesamten Umsatzes aus. Zwischen 50 000 und 200 000 Euro kosten die Klaviere aus dem Leipziger Traditionshaus. Mehrere Dutzend Vorbestellungen gingen in den ersten drei Tagen der Moskauer Messer bei Blüthner ein. "Wie viele es genau sind, kann ich gar nicht sagen. Wir haben etwas den Überblick verloren", sagt der Geschäftsführer ohne spürbares Bedauern.

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