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Brille auf beim Zusatzschutz

- München - Versicherte bei der AOK Bayern können künftig relativ günstige Zusatzversicherungen bei der Versicherungskammer Bayern abschließen. Im Zuge der Gesundheitsreform sind solche Kooperationen zwischen gesetzlichen und privaten Krankenkassen seit 1. Januar möglich. Hedwig Telkamp vom Verbraucherschutz Bayern rät indes: "Im Moment sollte man nichts übereilen."

<P>Das gestern vorgestellte Angebot umfasst zunächst die Bereiche Zahnersatz, Sehhilfen, Auslandsreisen, Heilpraktiker und Krankentagegeld. Die Zusatzversicherungen für Krankenhaus- und Operationskosten können nach Angaben von Kammersprecherin Claudia Scheerer erst ab 1. Mai abgeschlossen werden. Der Tarif für AOK-Mitglieder liegt im Durchschnitt zehn Prozent unter dem normalen Angebot der Versicherungskammer. Ansonsten gelten für den Abschluss die Bedingungen der privaten Kassen - junge gesunde Menschen zahlen weniger als ältere kranke.</P><P>Robert Baresel aus dem Vorstand der Versicherungskammer Bayern begrüßt die neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Schließlich eröffne diese Modell seinem Unternehmen ein "attraktives Potenzial", betont er mit Blick auf die 4,4 Millionen AOK-Kunden. Der Bedarf bei den Mitgliedern sei vorhanden, berichtet Walter Schwarz, stellvertretender Vorsitzender der AOK Bayern. 200 000 Interessenten haben sich auf eine Befragung hin für Zusatzversicherungen vormerken lassen. Mittelfristig rechnet die Versicherungskammer Bayern mit bis zu 80 000 Neukunden.</P><P>Doch auch die gesetzliche Kasse profitiert von dem Verbund, erläutert Verbraucherschützerin Telkamp. Schließe ein Kunde eine Zusatzversicherung zu den Sonderkonditionen ab, die ihm durch den vereinbarten Gruppentarif gewährleistet werden, sei er stärker als bisher an seine Kasse gebunden. Bei einem Wechsel der gesetzlichen Krankenkassen entfallen laut Vertrag die besonderen Bedingungen bei der Kammer und der Versicherungsnehmer muss fortan die Normaltarife zahlen. Diese Regelung ist auch aus anderen Zusammenschlüssen, wie etwa dem der Barmer Ersatzkasse mit der HUK Coburg bekannt.</P><P>Bevor der Verbraucher einen Vertrag abschließt, sollte er sich zuallererst fragen, was er von den Bausteinen wirklich benötigt, sagt Telkamp. "Statt einer Versicherung könnte man für Zahnersatz oder eine neue Brille auch Rücklagen im Haushalt bilden", regt sie an. Weiter gelte es die Details des Angebotes zu ergründen und mit den Paketen anderer Versicherer zu vergleichen. "Bei Krankenhauszusatzversicherungen sollte zum Beispiel eine freie Krankenhauswahl dabei sein." Letztlich kommt es Telkamp zufolge nicht nur auf die Angebote der gesetzlichen Kassen im Bereich der Zusatzversicherungen an: Bevor man sich derart an seine Kasse bindet, sollte man sie im Hinblick auf Offerten wie Bonusprogramme gründlich mit anderen Kassen vergleichen.<BR>Der Krankenversicherungsmarkt befinde sich im Moment im Umbruch, resümiert die Verbraucherschützerin. Vergleiche seien für ihren Verband und die Stiftung Warentest daher noch schwierig. Telkamp: "Sicher wird noch einiges an Angeboten hinzukommen."</P>

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