Brille, Praxisgebühr, Gymnastik: Wie sich der Fiskus beteiligt

- Sparchance für die Steuererklärung 2004: Ob Praxisgebühr, höhere Zuzahlungen für Arznei und Klinik, ob Brille oder Zahnersatz - das Finanzamt kann ab einer gewissen Höhe auch an den Ausgaben für die medizinische Versorgung beteiligt werden. Weil Kranksein seit Januar spürbar teurer ist, dürften jetzt viel mehr Steuerzahler über ihre Belastungsgrenze kommen als in den Jahren zuvor.

<P>Höhe des Eigenanteils</P><P>Krankheitskosten können immer dann als außergewöhnliche Belastung von den Einkünften abgezogen werden, wenn ein bestimmter Eigenanteil überschritten wird. Die Grenze richtet sich vor allem nach dem Jahreseinkommen (Bruttoverdienst plus Einkünfte beispielsweise aus Vermietung oder Verpachtung minus Werbungskosten). Maßgebend sind aber auch Familienstand und Kinderzahl.<BR><BR> Verheiratete mit bis zu zwei Kindern und Einkünften zwischen 15 340 bis 51 130 Euro im Jahr dürfen ihre Krankheitskosten beispielsweise ab einer 3-Prozent-Grenze absetzen. Die zumutbare Eigenbelastung für einen verheirateten Steuerzahler mit Kind und 30 000 Euro im Jahr liegt also bei 900 Euro. Jeder Euro darüber mindert die Steuerlast.<BR><BR> Für kinderlose Unverheiratete in der gleichen Verdienstspanne liegt die Grenze dagegen bei sechs Prozent ihrer Einkünfte. Wer 2004 viel für seine Gesundheit hinblättern muss, wird seine persönliche Grenze schneller überschreiten als noch in den Jahren zuvor.<BR><BR>Richtige Planung</P><P>Wichtig ist vor allem eine vorausschauende Planung, erklärt die Münchner Steuerberaterin Doris Bickhofe. Größere Anschaffungen wie Brillen, Zahnspangen oder Zahnersatz gehören in ein Jahr zusammengelegt. Darüber hinaus heißt es: Sämtliche Belege und Quittungen sammeln. Das Finanzamt erkennt nämlich erstaunlich viele Ausgaben als außergewöhnliche Belastung an - immer vorausgesetzt, ein Arzt hat sie verordnet, betont Bickhofe. Sonst werden Ausgaben für Medikamente beispielsweise nur dann problemlos anerkannt, wenn der Steuerzahler dauerhaft unter einer Krankheit litt und das dem Finanzamt nachweisen kann, so der Bund der Steuerzahler.<BR><BR>Welche Kosten zählen</P><P>Was auf jeden Fall zählt, sind Praxisgebühren, jede Art von Zuzahlung und Eigenbeteiligung (zum Beispiel bei Krankengymnastik oder Massage). Absetzbar sind auch Hilfsmittel wie Brillen, Einlagen, Hörgeräte, Zahnersatz, Prothesen, orthopädisches Schuhwerk sowie nicht rezeptpflichtige Arznei- und Stärkungsmittel - solange sie vom Arzt verschrieben wurden. Selbst gängige Kopfwehtabletten sind dann absetzbar, unterstreicht die Münchner Steuerspezialistin.<BR><BR>Kein Gezerre dürfte es um die Kosten für einen Heilpraktiker geben. Bei homöopathischen Mitteln zeigt sich das Finanzamt aber häufig zickig, berichtet Bickhofe. Geltend zu machen sind auch verordnete psychoanalytische oder therapeutische Behandlungen, Krankengymnastik oder Therapien beim Logopäden und Sprachheilpädagogen. Kosten für eine Suchttherapie von Alkoholikern sind ebenfalls absetzbar - genauso wie Ausgaben für eine künstliche Befruchtung, für Klinik und Mediziner bei der Geburt eines Kindes.<BR><BR>Bei Schönheitsoperationen lehnt das Finanzamt die Anerkennung jedoch immer ab, sagt Bickhofe. Kein Problem dürfte auftauchen, wenn Kosten für eine Laserkorrektur der Sehschärfe mit in die Steuer genommen werden - wenn der Patient danach seine Brille los ist. Sogar angemessene Trinkgelder für Klinikpersonal oder Krankenschwestern werden anerkannt. Aber nur mit Beleg. Die Ausgaben für eine verordnete Kur sind absetzbar, solange es sich nicht um eine Luxuskur handelt, betont Bickhofe.<BR><BR>Und auch für Kinder oder Enkel hat sie einen Spartipp: Verdienen Eltern oder Großeltern sehr wenig, können ihre Nachkommen einspringen, die Anschaffung notwendiger Gehhilfen, Brillen und anderer Hilfsmittel finanzieren und die Kosten dann bei der Steuer geltend machen. Voraussetzung: Die Älteren können nicht selbst zahlen. Selbst Krankenbesuche bei pflegebedürftigen Eltern dürfen abgesetzt werden. Allerdings nur, wenn ihre Zahl über die normale Fürsorge hinausgeht. Fährt das Kind jeden Sonntag zum Vater, gilt das noch als normal, dämpft Bickhofe allzu große Erwartungen. Im Einzelfall sollte man sich immer mit dem Steuerberater absprechen.</P>

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