Wie bringt man 507 PS in ein Auto?

- München - Moosacher Straße, Ecke Preußenstraße. Der Ort gehört auch unter den Gewerbegebieten im Münchner Norden zu den eher unscheinbaren Adressen. Das Gebäude strahlt den Charme der frühen siebziger Jahre aus. Unspektakulär. Und doch entsteht unter der Obhut von 130 Mitarbeitern - 100 davon Ingenieure - eine Maschine, die den Puls von Menschen mit Neigung zu schneller Fortbewegung höher schlagen lässt. Das Herz der Autos mit einem kleinem M als Typenschild. In der jüngsten Variante werden aus zehn Zylindern 507 PS geholt.

<P>Das schaffen die Münchner Tüftler ohne Turbolader, aber mit gehöriger Erfahrung im Rennmotorenbau. Was immer in den letzten Jahrzehnten für die weißblaue Nobelmarke an Rennerfolgen geholt wurde, die Basis wurde hier gelegt. Als in den siebziger Jahren BMW noch Weltmeistertitel in der Formel 1 einfuhr, "entstanden die Motoren hier". Bernhard Gobmeier, Abteilungsleiter für Produkt und Prozessmanagement der M GmbH zeigt, als er dies sagt, auf eine unscheinbare graugestrichene Metalltür. Damals hieß es auch noch Motorsport GmbH. Und es wurden reine Renner gebaut. Heute legt man Wert darauf, dass es sich auch um ganz normale Limousinen handelt. Das allerdings bleiben sie nur, wenn man es versteht, sehr behutsam mit dem Gaspedal umgeht. Das ist nicht immer ganz einfach bei 507 PS im neuen M5.</P><P>Und so bemüht sich Gobmeier, ganz andere Dinge herauszustellen. Das geringe Gewicht, den niedrigen Verbrauch. Die hohe aktive Sicherheit. "Es geht um Dynamik, aber nicht um jeden Preis", sagt er. "Die PS-Zahl ist fast sekundär."</P><P>Letztlich geht es, nach offizieller Lesart zuerst darum, Autos individueller zu gestalten. Das macht die M GmbH auch mit ganz normalen Serien-BMW: Mit Bildschirmen für die Rücksitze oder edlem Interieur. 40 der 500 M-Mitarbeiter sind - am Standort Garching - damit beschäftigt.</P><P>In München wird der wichtigste Beitrag zum Kerngeschäft der BMW-Tochter gebaut: die Motoren. "Nicht ein Teil ist gleich", sagt Gobmeier über die Kraftquelle im neuen M5 und ihr Verhältnis zum Basis-Modell. Zehn Zylinder gibt es sonst nicht im BMW-Programm - nur die Formel-1 Kraftpakete haben ebenfalls diese Zahl. Auch sonst sind viele Details Anleihen aus Rennmotoren; sie machen Drehzahlen vom über 8000 pro Minute erst möglich.</P><P>Damit man als Laie den kleinen Unterschied nicht sofort bemerkt, werden die Entwickler der sportlichen Tochter von Anfang an in die BMW-Entwicklung miteinbezogen. Denn unter dem fast gleichen Blechkleid wird in München für die M-Variante das Auto gewissermaßen neu erfunden. "Andere Getriebe, andere Achsen, andere Lenkung", beschreibt Gobmeier die Unterschiede zur Serie. Doch am Ende werden die in München und Garching gebauten Teile ans gleiche Band geliefert auf dem auch der normale 5er montiert wird. Im größten Werk des Konzerns in Dingolfing.</P><P>30 000 Stück vom letzten M5 entstanden auf diese Weise. Die Stückzahlen beim kleineren M3 sind etwa dreimal so hoch. Auch vom neuen M5 sollen es deutlich mehr werden. Über genaue Zahlen schweigt man sich aus, ebenso über den Gewinn, den die M GmbH, wie andere Unternehmensteile, an den Konzern abführt. Nur eines sagt Gobmeier: Unser Deckungsbeitrag ist höher.</P>

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