Brisante Aussage bringt Ex-Chef von Infineon massiv unter Druck

- München - Der Bestechungsskandal um frühere Infineon- Vorstände hat eine neue Dimension bekommen. Ex-Chef Ulrich Schumacher soll ebenfalls mehrere 100 000 Euro kassiert haben. Nun droht auch ihm eine Anklage. Im Infineon-Schmiergeldprozess hat der angeklagte Kaufmann Udo Schneider den ehemaligen Vorstandschef des Münchner Chipkonzerns, Ulrich Schumacher, schwer belastet. Der 2004 unter nie geklärten Umständen bei Infineon ausgeschiedene Topmanager sei von ihm 2003 mit 300 000 Dollar und im Jahr zuvor mit 50 000 bis 60 000 Euro geschmiert worden, sagte Schneider vor Gericht.

Die Gelder habe er Schumacher in Umschlägen bar zugesteckt. Dieser sei bei den Geldübergaben in seinem Büro oder bei Abendessen sehr penibel gewesen und habe alle Zahlungen genau notiert, sagte Schneider. Schmiergelder in Höhe von 259 000 Euro habe er dem inzwischen ebenfalls ausgeschiedenen Vorstand Andreas von Zitzewitz zugesteckt. Beim Prozess gegen Schneider geht es um das Motorsportsponsoring von Infineon, das der Angeklagte als Marketingpartner des Konzerns bis 2004 organisiert hatte. Dabei habe er den Motorsportfans Schumacher sowie von Zitzewitz eine Rennlizenz verschafft und ihnen ab 1998 die aktive Teilnahme an diversen Rennen finanziert, sagte der Kaufmann aus.

So habe er sich ihr Wohlwollen und eine Verlängerung des Sponsoringvertrags seiner Firma BF Consulting mit Infineon erkauft. Während von Zitzewitz inzwischen gestanden hat, weist Schumacher bislang jede Schuld von sich. Er habe "nie nur einen einzigen Cent angenommen", beteuerte der derzeit für eine US-Investmentfirma aktive Schumacher zuletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit über einem Jahr gegen ihn. Man müsse die Aussagen Schneiders prüfen und wolle Schumacher damit konfrontieren, sagte ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft. Erst dann könne er sagen, ob Anklage erhoben wird. Auch Infineon erwägt nach den Aussagen gegen den eigenen Ex-Chef eine Schadenersatzklage.

Schneider hat sein Schweigen hinsichtlich Schumacher gebrochen, nachdem ihm vom Gericht bei einer rückhaltlosen Aussage erhebliche Strafmilderung in Aussicht gestellt wurde. Schneider wurde gestern schließlich wegen der Zahlung von Bestechungsgeldern zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Ursprünglich drohten dem Sponsoring- Vermittler bis zu fünfeinhalb Jahre Haft. Brisant war das Geständnis Schneiders zweifellos. Er habe Schumacher und von Zitzewitz 1997 mit der Aussicht, selbst Rennen fahren zu dürfen, geködert, um sie für Sponsoringaufträge gewogen zu machen. Das hätten beide "mit Begeisterung aufgenommen". Bezahlt habe er dann alles, "Autos, Hotel, Restaurants".

Die Rennleidenschaft der Infineon-Bosse sei immer kostspieliger geworden, weil beide zunehmend teuere Unfälle verursacht hätten, erzählte Schneider. "Die wussten, dass das nicht rechtens ist, was ich da mache", meinte er. Als Schumacher 2004 bei Infineon vor dem Aus stand, habe er ihn kommen lassen, sagte Schneider. "Ich brauche dich wie noch nie in meinem Leben", habe Schumacher gefleht und eine schriftliche Bestätigung über die Schmiergelder an von Zitzewitz verlangt, um sie dem Infineon-Aufsichtsrat vorzulegen. Von Zitzewitz war damals die treibende Kraft hinter dem Rauswurf Schumachers. Den konnte auch das Schreiben Schneiders nicht verhindern. Später habe er von Schumacher 200 000 Euro Darlehen erhalten und über dessen aktive Rolle im Schmiergeldskandal geschwiegen.

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