Briten steigen bei Airbus aus: EADS übernimmt alle Anteile

- London - Zunächst wollte der britische Konzern richtig Kasse machen. Durch den im Frühjahr angekündigten Verkauf seiner Airbus-Anteile erwartete sich der britische Rüstungskonzern BAe Systems rund fünf Milliarden Euro Einnahmen. Jetzt wird es nur gut die Hälfte. Mit dem Verkauf wird das ursprüngliche Drei-Länder- Projekt Airbus zur reinen EADS-Konzerntochter.

Obwohl in Großbritannien 13 000 Arbeitsplätze von der Produktion der Airbus-Flugzeuge abhängen -dort werden die Flügel gefertigt -galt ein Verkauf des 20-Prozent- Anteils an dem Flugzeugbauer als eine Frage der Zeit. Zu erdrückend war der 80-Prozent- Anteil aller anderen früheren Airbus-Partner, über den nun die EADS allein verfügt. So hatte BAe Systems den lange erwarteten Verkauf bereits im Frühjahr 2006 angekündigt. Doch dann kam es zu keiner Einigung über den Kaufpreis.

Ein Gutachten der Investmentbank Rothschild ergab rund 2,75 Milliarden Euro. Aber damit war BAe Systems nicht zufrieden. Doch eine von BAe Systems eingeleitete Überprüfung durch Pricewaterhouse- Coopers hat diesen Preis wohl bestätigt. Denn nun willigte das britische Management ein und empfiehlt der Hauptversammlung den Verkauf. Hintergrund des stark gefallenen Preises für Airbus, sind die Produktions- und Lieferprobleme beim zweistöckigen Airbus A 380 sowie die nun korrigierten Fehleinschätzungen beim kleineren A350, die auch die EADS-Aktie abstürzen ließen und zum Sturz von Airbus-Chef Gustav Humbert sowie des EADS-Co-Chefs Noël Forgeard führten.

Für die EADS ist dies nun sogar ein Vorteil. Sie bekommt die alleinige Kontrolle über Airbus nun billiger als bisher geplant. Der Kaufpreis lässt sich leicht aus der mit rund 6 Milliarden Dollar prall gefüllten EADS-Kriegskasse bezahlen. Allerdings fürchtet BAe Systems wohl weitere bislang nicht geborgene Leichen im EADS-Keller. Die Konzernführung unter Mike Turner begründete ihre Verkaufsempfehlung damit, dass die Lösung der Probleme bei Airbus eine "beträchtliche Menge an Aufmerksamkeit des Managements, an Zeit und an Investitionen" erfordere. Erst dann könne der Wert wieder gesteigert werden. Angesichts des Finanzbedarfs, der bei Airbus mittelfristig erforder lich sein könnte, sei das BAe- Management "besorgt".

Forgeards Nachfolger Louis Gallois bezeichnete die Äußerungen von Mike Turner als nicht überraschend". Seit Juli seien die Märkte über mögliche Risiken und Herausforderungen bei Airbus informiert gewesen. Derzeit würden alle Produktionsprogramme überprüft. In einigen Wochen werde dann wie geplant über mögliche Maßnahmen informiert. Die Aktionäre überzeugte das gestern nicht. Der Kurs der EADS-Aktie schmierte im Xetra-Handel um 4,4 Prozent auf 21,79 Euro ab.

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