Britische Investoren auf der Anklagebank

- Duisburg - Ausländische Großinvestoren sitzen wohl erstmals in einem Strafprozess auf einer deutschen Anklagebank. Verhandelt wird von Mittwoch an in Duisburg der Wirtschaftskrimi um die milliardenschwere Übernahme des deutschen Stahlhandelshauses Klöckner & Co durch die britische Balli-Group. Kein anderer als die Balli-Inhaber selbst, Vahid und Hassan Alaghband, sind der Untreue im besonders schweren Fall angeklagt.

Was nach Ansicht der Balli-Anwälte international bei Unternehmensübernahmen möglich ist, soll den Beschuldigungen nach gegen deutsches Aktienrecht verstoßen haben: den Kauf mit Kapital des Übernahmekandidaten zu finanzieren. Mit Geld von KlöCo (Umsatz damals 5,3 Mrd. Euro) habe Balli eigenes Kapital zur Kreditabsicherung vortäuschen wollen, hieß es bei den Ermittlern.

Vor vier Jahren hatte die Eon AG das Traditionshaus für 1,1 Milliarden Euro - davon 800 Millionen Schulden und Pensionslasten - an die kleinere Balli-Group verkauft. Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) lieh dazu Balli 175 Millionen Euro und übernahm selbst 5,5 Prozent Anteil an KlöCo. Während des Verkaufsprozesses soll Balli 120 Millionen Euro dem Duisburger Unternehmen illegal entzogen haben, um den Kauf zu finanzieren. Anklage wird wegen rund 80 Millionen Euro erhoben.

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Betrugs und Untreue sowohl gegen Balli-Manager als auch KlöCo-Vorstände. Im Jahr 2003 wurde dann der Balli-Chef Vahid Alaghband in der Schweiz verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Er kam später gegen Kaution frei. Und im gleichen Jahr übernahm die WestLB die KlöCo-Aktien, weil Balli der Darlehens-Tilgung nicht nachkam.

Inzwischen ist das Duisburger Handelshaus mit seinen 10 000 Beschäftigten an US-Investoren verkauft und schreibt seit drei Jahren dank Stahlboom schwarze Zahlen. Die Schulden sind teilweise abgebaut und der Vorstand hofft von verschiedensten Seiten noch auf Rückzahlung von rund 140 Millionen Euro, die aus dem Balli-Abenteuer entstanden sein sollen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Leverkusen/New York - Bayer und Monsanto wollen den künftigen US-Präsidenten Donald Trump mit Investitionen und US-Arbeitsplätzen von ihrer Fusion überzeugen.
Bayer sagt Trump Milliardeninvestitionen in den USA zu
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank könnte Medienberichten zufolge schon bald drastische Einschnitte bei den Boni ihrer Mitarbeiter verkünden.
Bis zu 90 Prozent: Deutsche Bank will Boni kürzen
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
London - Theresa May kündigte am Dienstag den klaren Bruch mit der EU an. In unserer Zeitung erklärt der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Clemens Fuest, wie teuer …
Experte erklärt: So teuer kommt uns der Brexit
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren
New York - Bis 2050 wird einer Studie zufolge mehr Plastikmüll in den Weltmeeren schwimmen als Fische - wenn nicht schnell gehandelt wird. Genau das tun jetzt 40 große …
Großkonzerne wollen Plastik reduzieren

Kommentare