Brüchig wie Pergament-Papier: Bröselndes Geld gibt Rätsel auf

- Zerbröselnde Geldscheine geben Kriminalbeamten und Finanzexperten ein Rätsel auf. Wie die Bundesbank bestätigte, sind seit Juni deutschlandweit rund 1500 Euro-Noten teilweise zerfallen, nachdem Menschen sie berührten. Möglicherweise wurde das Geld mit Chemikalien manipuliert.

Verbraucher müssen sich aber nicht sorgen: Es bestehe keine Gesundheitsgefahr, zudem würden beschädigte Scheine umgetauscht.

Nach Angaben der Notenbank in Frankfurt tauchten die ersten schadhaften Scheine im Sommer im Raum Berlin auf. In den darauffolgenden Wochen häuften sich dann die Fälle vor allem in Nord- und Ostdeutschland. Es meldeten sich aber auch in München, Würzburg, Frankfurt oder Freiburg Bürger mit löchrigem Geld bei Kreditinstituten und der Polizei. Die Bundesbank, die in Deutschland mit der Bargeldversorgung betraut ist, schaltete daraufhin die Landeskriminalämter in Berlin und Rheinland-Pfalz ein.

Die Ermittler haben bereits herausgefunden, dass eine auf die Scheine aufgebrachte Chemikalie das Papier beschädigt hat. Dabei handelt es sich um Sulfat-Salz, das erst zerstörerisch reagiert, wenn das Geld berührt wird. Wie eine Bundesbank-Sprecherin unserer Zeitung erklärte, löst sich das Geld aber nicht komplett auf (siehe Fotos). Nach Einschätzung des LKA Berlin besteht zudem keine Gefahr für die Gesundheit, wenn die Scheine angefasst werden.

Ungeklärt ist bislang, ob die Scheine absichtlich manipuliert wurden oder ob es sich um eine Panne handelt. Fest steht nur, dass Herstellungsfehler in Papierfabriken oder Druckereien nicht die Ursache sind. Das Bundesinnenministerium vermutet, das Zerbröseln könnte mit defekten Batterien in Geldautomaten zusammenhängen.

Alle Banknoten stammten aus bestimmten Maschinen, die nun ausgetauscht würden, wie ein Sprecher sagte. Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte es sich aber auch um gestohlene Scheine handeln. Banknoten würden häufig zum Schutz vor Diebstählen vor einem Transport imprägniert, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag. Es sei möglich, dass Diebe versucht hätten, die Imprägnierung chemisch zu entfernen.

Für die Verbraucher in Deutschland besteht angesichts der Vorfälle kein Grund zur Beunruhigung. Denn die Gefahr, einen schadhaften Schein in die Hand zu bekommen, ist angesichts fünf Milliarden in Deutschland umlaufender Euro-Noten verschwindend gering. Sollte es dennoch passieren, empfiehlt die Bundesbank das Geld in einer ihrer Filialen (siehe Kasten) vorbeizubringen. "Wenn mindestens die Hälfte übrig ist, wird sofort Ersatz geliefert", sagte die Sprecherin auf Nachfrage. Andernfalls müsse der Kunde nachweisen, dass der Rest vernichtet wurde.

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