Brüssel droht mit Sonnenschirm-Zwang

- München - Bauarbeiter müssen sich unter Aufsicht ihres Chefs mit Sonnencreme einschmieren, Kellner im Biergarten dürfen nur im Schatten der Bäume bedienen. Diese skurrilen Szenen könnten schon bald Realität werden: Denn die Europäischen Union will alle, die im Freien arbeiten, stärker vor der Sonne schützen.

<P>Danach müssten Gaststätten oder Baufirmen künftig die Gesundheitsgefahren bewerten und sich um den nötigen Sonnenschutz kümmern. Experten warnen vor einem "bürokratischen Unsinn".</P><P>"Ein Biergartenbetreiber müsste theoretisch jeden Tag die zu erwartende Sonneneinstrahlung analysieren und je nach Hauttyp die Risiken für jeden einzelnen Mitarbeiter bewerten", empört sich EU-Abgeordneter Alexander Radwan (CSU). Das Gesetz gehöre eindeutig auf die "Liste der Brüsseler Absurditäten". Dennoch passierte das Vorhaben einstimmig den Wettbewerbsrat.</P><P>Der entscheidende Passus verbirgt sich hinter einer neuen Richtlinie zum Schutz von Arbeitnehmern "vor Gefährdung durch optische Strahlung". Darin werden Grenzwerte für Belastungen etwa durch Laser-, UV- oder Infrarotstrahlung festgelegt. Das Gesetz lag 13 Jahre in der Schublade, bis es jetzt die irische Ratspräsidentschaft wieder ans Licht beförderte.</P><P>"Sinnvolle Grenzwerte zum Schutz vor künstlicher Strahlung sind grundsätzlich zu begrüßen", betont Radwan. Allerdings schieße der Rat weit über das Ziel hinaus, wenn er auch Regeln für das Sonnenlicht plane. Der CSU-Politiker befürchtet, dass auf die ohnehin angeschlagene Baubranche weitere Kosten zukommen. Schließlich nütze der vermeintliche Schutz auch den Arbeitnehmern wenig.</P><P>Mit Skepsis beobachtet der Zentralverband des deutschen Handwerks das Wiederaufleben der Arbeitsschutzbestimmung. Da jedoch noch keine Entscheidung gefallen sei, warte man mit einer Stellungnahme, so eine Sprecherin. Jetzt liegt es in der Hand des EU-Parlaments, den Vorstoß zu stoppen.</P>

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