Brüssel verordnet Microsoft eine neue Geschäftspolitik

- München - Nach mehrjährigen Ermittlungen hat die Europäische Kommission wie erwartet ein Rekordbußgeld von fast 500 Millionen Euro gegen Microsoft verhängt. Das US-amerikanische Unternehmen habe wegen "Missbrauchs seines Quasi-Monopols bei PC-Betriebssystemen gegen die EG-Wettbewerbsregeln verstoßen", urteilte die Kommission gestern. So habe der "Windows"-Hersteller seine Alleinherrschaft auf dem Markt für so genannte Medienplayer sowie Betriebssysteme für Server rechtswidrig ausgeweitet.Weil die Verstöße immer noch andauern, hat Brüssel Microsoft aber zusätzlich zum Bußgeld zwei Fristen aufgebrummt. Innerhalb derer soll der Konzern seine Geschäftspraktiken ändern:

<P>1. Innerhalb von 90 Tagen soll der Computerhersteller eine Windows-Version anbieten, die nicht mit dem "Windows Mediaplayer" gekoppelt ist, der Musik- und Videodateien abspielen kann. Dadurch sollen Konkurrenzprodukte wie der "Realplayer" von Real eine Marktchance bekommen. Denn diese kleinen Firmen fürchten, dass ihre Software nicht mehr gekauft wird, weil deren Funktion schon mit Windows mitgeliefert wird, das weltweit auf rund 90 Prozent aller PCs läuft. In eben dieser Weise ist der Browser-Pionier "Net-scape Navigator" in wenigen Jahren vom Microsoft-Produkt "Internet Explorer" nahezu komplett vom Markt verdrängt worden.</P><P>2. Binnen 120 Tagen soll Microsoft seinen Konkurrenten im Markt für Server-Software die Schnittstellen zu Windows offenlegen, damit diese in ihren Produkten eine bessere Vernetzung mit Windows-PCs entwickeln können. Auch dadurch soll der Wettbewerb angeregt werden.</P><P>Noch ist allerdings fraglich, ob Microsoft die Fristen beachten beziehungsweise das Bußgeld bezahlen wird. Das Unternehmen aus Redmond hat bereits angekündigt, gegen das Strafmaß vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg klagen zu wollen. "Die Kommission hatte heute das erste Wort", erklärte Microsoft-Chefjurist Brad Smith. Das EU-Gericht werde das letzte Wort haben. "Und das wird am Ende entscheiden." In der Vergangenheit hatten die Richter bereits mehrere Entscheidungen der Brüsseler Behörde gekippt.</P><P>Aber selbst wenn Microsoft verliert, die Strafe könnte es relativ locker verkraften. Denn mit 52,8 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln ließen sich die 497 Millionen Euro Bußgeld nahezu aus der Portokasse bezahlen. Und auch ein Nicht-Befolgen der oben genannten Fristen dürfte den Software-Konzern kaum jucken: Für jeden Tag, den das Zeitlimit übertreten wird, werden maximal 1000 Euro pro Tag an Strafe fällig, wie die Europäische Kommission erklärt. "Ziemlich weich", räumte ein Sprecher ein. "Aber bis jetzt haben alle Unternehmen die Auflagen freiwillig befolgt."</P>

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