Brüssel will Preise bei Airlines vergleichbar machen

- Brüssel - Brüssel will gegen irreführende Lockangebote für Flugtickets vorgehen und die Preise der Airlines vergleichbar machen. Der Preis für ein Flugticket soll künftig alle Steuern, Gebühren und sonstige Nebenkosten umfassen.

Einen entsprechenden Vorschlag zur Kostenklarheit für alle Kunden hat die EU-Kommission am Dienstag beschlossen. Vor allem Billigflieger werben oftmals mit einem äußerst günstigen Nettopreis, hinzu kommen danach aber zahlreiche Aufschläge, die den Ticketendpreis um ein Vielfaches verteuern. Das Europäische Parlament und die EU-Staaten im Ministerrat müssen dem Kommissionsvorschlag noch zustimmen, damit die Verordnung in Kraft treten kann.

Verboten werden soll auch die Praxis mancher Fluggesellschaften, Passagieren je nach Wohnsitz in der EU unterschiedliche Preise für den gleichen Flug zu berechnen. Der Kommissionsvorschlag stellt den zweiten verbrauchernahen Vorstoß in kurzer Zeit dar, nachdem erst vergangene Woche die unterschiedlichen Roaminggebühren, die bei der Durchleitung von Telefongesprächen durch andere Mobilfunknetze anfallen, aufs Korn genommen wurden. Überteuerten Handy-Gebühren im europäischen Ausland soll somit der Riegel vorgeschoben werden.

Der Europa-Abgeordnete Udo Bullmann (SPD) lobte den Vorschlag der Kommission für mehr Preistransparenz bei Flugtickets. Er verhindere irreführende Lockangebote der Airlines: "Der Preis aus der Werbung stimmt oftmals nicht mit dem Preis überein, der tatsächlich gezahlt werden muss", erklärte der Abgeordnete. Schuld daran seien Zuschläge für Steuern, Flughafengebühren und Treibstoffkosten, die von den Fluggesellschaften erst beim Kauf des Tickets genannt würden: "Mit dieser Augenwischerei ist nun hoffentlich bald Schluss."

EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot bezeichnete die Öffnung des Luftfahrtmarktes in Europa als Erfolgsgeschichte: "Die Bürger genießen mehr Reisemöglichkeiten und niedrigere Tarife als je zuvor." Seit der völligen Liberalisierung im Jahr 1997 sei die Zahl der angebotenen Verbindungen um 60 Prozent gestiegen. Die Kommission wolle diese Entwicklung absichern, indem sie für einen fairen Wettbewerb der Airlines sorge.

Die Zahl der Flugverbindungen innerhalb der erweiterten EU hat sich nach Kommissionsangaben binnen 15 Jahren mehr als verdoppelt: 1992 habe sie bei 692 gelegen, inzwischen seien es mehr als 1500. Immer mehr Strecken würden zudem von mehr als zwei Gesellschaften bedient: Ihre Zahl habe im Jahr 2004 bei knapp 550 gelegen.

Die Zahl der Fluggesellschaften stieg laut Kommission seit 1990 um 25 Prozent, was vor allem auf neue Billig-Airlines zurückzuführen sei. Die zehn größten Anbieter in diesem Sektor hätten 2005 fast 90 Millionen Fluggäste befördert. Das größte Angebot von Billig-Airlines hatten demnach im vergangenen Jahr Großbritannien und Irland mit mehr als 40 Prozent aller angebotenen Sitze. Deutschland lag mit rund 22 Prozent etwas unter dem EU-Durchschnitt, der bei 24 Prozent lag.

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