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Bruttoinlandsprodukt: Was ist das BIP und wie wird es berechnet?

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Ein Kran verlädt Container im Handelshafen des Rhein-Neckar-Hafens
Ein Kran verlädt Container (Symbolbild) © Uwe Anspach / dpa

In Deutschland haben sowohl die Corona-Krise als auch der Ukraine-Krieg Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Wissenswertes über das BIP als Spiegelbild der wirtschaftlichen Leistung einer Volkswirtschaft.

Berlin – „BIP“ – drei Buchstaben mit großer Bedeutung und Wirkung. Doch was bedeuten sie eigentlich? Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) dient als Maßstab für das Wirtschaftswachstum des jeweiligen Landes oder der Region. Schwankungen – im Vergleich zu vorherigen Phasen wie z. B. Jahren – geben gute Hinweise auf den Verlauf der Konjunktur. Demzufolge ist das Bruttoinlandsprodukt in erster Linie also ein Produktionsmaß und misst die Produktion von Waren und Dienstleistungen im Inland nach Abzug aller Vorleistungen. Konkret bedeutet das: Es misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Das Bruttoinlandsprodukt errechnet sich als Summe der Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche zuzüglich des Saldos von Gütersteuern und Gütersubventionen.

Bruttoinlandsprodukt – was sagt das BIP aus?

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum und die zentrale Größe der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Konkret bedeutet das: Das BIP misst den Wert der im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Einige Zahlen, Daten und Fakten zum BIP in Deutschland:

Bruttoinlandsprodukt – Arten der Berechnung

Das Bruttoinlandsprodukt ist über drei verschiedene Wege ermittelbar. Alle Berechnungsmethoden führen allerdings zum gleichen Ergebnis.


# Entstehungsrechnung

Hier wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von der Produktionsseite dargestellt. Die zentrale Größe bildet dabei die Bruttowertschöpfung. Sie ermittelt sich aus der Summe sämtlicher Produktionen abzüglich Vorleistungen. Die Tabelle zeigt die Bruttowertschöpfung nach Sektoren für Deutschland im Jahr 2007:

Produktionswert                                                              4.454,57 Mrd. €
- Vorleistungen                                                             - 2.282,39 Mrd. €
= Bruttowertschöpfung                                                  2.172,18 Mrd. €
+ Gütersteuern abzügl. Gütersubventionen              251,62 Mrd. €
= Bruttoinlandsprodukt                                                 2.423,80 Mrd. €

# Verwendungsrechnung

Hier erfolgt die Berechnung anhand der Nachfrageseite. Dabei wird die Verwendung für Waren und Dienstleistungen bestimmt. Die Tabelle zeigt links die Komponenten der Verwendungsrechnung, die Werte auf der rechten Seite entsprechen deren Größe im nationalen BIP Deutschlands 2007:

Private Konsumausgaben                                              1.374,40 Mrd. €
+ Konsumausgaben des Staates                                    436,10 Mrd. €
+ Bruttoinvestitionen                                                     442,50 Mrd. €
           + Exporte                  1.133,00 Mrd. €
           − Importe                − 962,20 Mrd. €
+         = Außenbeitrag    170,80 Mrd. €                170,80 Mrd. €
= Bruttoinlandsprodukt                                             2.423,80 Mrd. €

# Verteilungsrechnung

Hier wird das BIP anhand des entstandenen Einkommens gemessen. Die Aufteilung erfolgt anhand des Volkseinkommens. Die Tabelle zeigt auf der linken Seite die Komponenten der Verteilungsrechnung und rechts die dazugehörigen Daten aus dem Jahr 2007:

Arbeitnehmerentgelt                                                                 1.181,0 Mrd. €
+ Unternehmens- und Vermögenseinkommen                    643,2 Mrd. €
= Volkseinkommen                                                                   1.824,2 Mrd. €
+ Produktions- und Importangaben an den Staat
abzüglich Subventionen                                                            277,0 Mrd. €
+ Abschreibungen                                                                      345,2 Mrd. €
= Bruttonationaleinkommen                                                  2.446,4 Mrd. €
- Saldo der Primäreinkommen aus der übrigen Welt          22,6 Mrd. €
= Bruttoinlandsprodukt                                                        2.423,80 Mrd. €


Bruttoinlandsprodukt – das BIP in Deutschland im Jahr 2021

Noch im Jahr 2020 ging die Wirtschaftsleistung Deutschlands nach zehn Jahren Wirtschaftswachstum in Folge erstmals wieder deutlich zurück. Hauptgrund dafür waren die Auswirkungen der Corona-Krise und der damit zusammenhängende Rückgang der Wirtschaft. Vor 2020 war das BIP zuletzt im Jahr 2009 zurückgegangen, als Deutschland wie die meisten anderen Länder weltweit von den Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen war. Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner betrug im Jahr 2021 ca. 42.918 Euro. Im vierten Quartal 2021 belief sich das saison- und kalenderbereinigte Bruttoinlandsprodukt auf ca. 917 Milliarden Euro. Preis-, saison- und kalenderbereinigt sank das BIP im vierten Quartal 2021 gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent, im 2. Quartal 2020 brach dieses aufgrund der Corona-Krise um 10,0 Prozent ein.

Bruttoinlandsprodukt – die Auswirkungen der Corona-Krise

Durch die Corona-Pandemie rutschte die deutsche Wirtschaft im Jahr 2020 in eine tiefe Rezession. Um die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland einzudämmen, wurden im März 2020 weitreichende Einschränkungen der wirtschaftlichen Tätigkeiten beschlossen und angeordnet. Dieser wirtschaftliche Shutdown aufgrund der Corona-Krise betraf große Teile der Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland. Nach einem Rückgang der Infektionszahlen wurden bundesweit nach und nach Lockerungen in Kraft gesetzt. Im November mussten die Einschränkungen aufgrund erneut steigender Infektionszahlen allerdings wieder verstärkt werden. Die Folgen der Pandemie für die deutsche Wirtschaft waren insgesamt gravierend, das BIP ging 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent zurück.


Bruttoinlandsprodukt – Prognose für 2022

Mitte März 2022 veröffentlichte das ifo-Institut eine Prognose für das gesamte Jahr 2022 und rechnete dabei mit einem Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent. Im Folgejahr 2023 soll das BIP weiter um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Auch andere Institute und Einrichtungen rechnen mit einer ähnlichen Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes in den nächsten ein bis zwei Jahren. Aufgrund der Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sind die Prognosen für die deutsche Wirtschaft jedoch schwierig.

Bruttoinlandsprodukt – das BIP in Deutschland von 1991 bis 2021

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