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Blick in eine Filiale der Buchhandelskette Thalia: Durch das Sorgenkind Thalia verbuchte der Konzern Douglas im abgelaufenen Geschäftsjahr einen hohen Verlust.

Bücher verhageln Douglas-Bilanz

Hagen/Düsseldorf - Der Handelskonzern Douglas tischt seinem neuen Mehrheitseigentümer Advent tiefrote Zahlen auf. Schuld sind die die Bücher.

Durch das Sorgenkind Thalia verbuchte der Hagener Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr einen hohen Verlust.

Der Handelskonzern Douglas schlüpft mit einem dreistelligen Millionenverlust unter die Fittiche des global agierenden Finanzinvestors Advent. Durch die aufwendige Sanierung des Buchgeschäfte von Thalia schloss Douglas das Geschäftsjahr 2011/12 (Ende September) mit einem Minus von fast 110 Millionen Euro ab. Der Handelskonzern steht damit vor einem wenig glanzvollen Abschied von den treuen Kleinaktionären und der Börse nach fast fünf Jahrzehnten. Internet-Konkurrenz macht dem Handelskonzern kräftig zu schaffen.

Fehlende Spontankäufe im Weihnachtsgeschäft haben dem Konzern den Start ins Geschäftsjahr 2012/13 erschwert. „Das Weihnachtsgeschäft war okay, ist aber leicht unter unseren Erwartungen geblieben“, sagte Vorstandschef Henning Kreke am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf. Statt wie früher durch die Läden zu bummeln und sich auf der Suche nach dem passenden Geschenk von dem ein oder anderen Angebot zum Kauf verführen zu lassen, hätten sich die Verbraucher lieber im Internet informiert. Erst in der Woche vor Weihnachten seien mehr Kunden in die Innenstädte gekommen.

„Der Handel ist in einer tiefgreifenden Umbruchphase“, sagte Kreke. Etwa jeder zehnte Euro werde bereits im Internet ausgegeben und fehle dadurch den stationären Händlern in der Kasse. Bis 2020 werde sich dieser Betrag voraussichtlich verdoppeln, schätzt der Douglas-Chef.

Der schnelle Kauf im Internet setzte Douglas schon im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 (Ende September) stark unter Druck. Weil sich vor allem die Buchtochter Thalia gegen mächtige Konkurrenten wie Amazon an Boden verliert und umgebaut werden muss, schrieb Douglas auf Konzernebene rote Zahlen. Im Geschäftsjahr zuvor hatte der Konzern noch 87 Millionen Euro Gewinn erzielt. Die Dividende von zuletzt 1,10 Euro je Aktie (2010/11) wird deshalb gestrichen.

Dank kräftiger klingelnder Kassen in den Douglas-Parfümerien und Christ-Juwelierläden stieg der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2011/2012 um 1,7 Prozent auf 3,44 Milliarden Euro, wie der Konzern bereits Anfang Oktober mitgeteilt hatte. Die Christ-Schmuckläden wuchsen mit einem Umsatzplus von 9,6 Prozent auf 373 Millionen Euro am stärksten. Der Umsatz des Sorgenkindes Thalia schrumpfte um 2,1 Prozent auf 915 Millionen Euro. Einen Umsatzrückgang verbuchten auch die Modehäuser AppelrathCüpper. Die Süßwarenkette Hussel legte zu.

Kreke räumte ein, nicht schnell genug auf die veränderten Einkaufsgewohnheiten der Kunden reagiert zu haben und versprach erneut, „die Ärmel hochzukrempeln“. Die Sanierung von Thalia komme planmäßig voran. Nach früheren Aussagen soll sie in den kommenden zwei Jahren abgeschlossen werden. Derzeit werden die Flächen der zum Teil Kaufhausgroßen Buchhandlungen verkleinert und um neue Sortimente wie Spielwaren ergänzt. 15 von rund 300 Buchläden werden geschlossen.

Da im laufenden Jahr keine Sonderbelastungen durch die Sanierung bei Thalia erwartet werden, soll auch das operative Ergebnis der Douglas-Gruppe leicht steigen, ebenso wie der Umsatz. Im ersten Quartal (Ende Dezember) legten die Erlöse um 1,6 Prozent zu.

Den Ton gibt künftig der US-Investor Advent an. Nach einem Übernahmeangebot im vergangenen Jahr hat er bereits mehr als 96 Prozent der Aktien eingesammelt. Die übrigen Kleinaktionäre sollen per Beschluss der Hauptversammlung im Mai herausgedrängt werden.

Geplant ist eine Expansion der Douglas-Parfümerien und der Christ- Schmuckgeschäfte im Ausland, auch wenn es konkrete Pläne laut Kreke dafür noch nicht gibt. An der jetzigen Struktur des Konzerns mit den Sparten Parfüm, Schmuck, Buch, Mode und Süßwaren hält Kreke fest. Er sieht keine Notwendigkeit dafür, eine der Töchter zu verkaufen.

dpa

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