Ein Bürojob für Bewegliche

- München - Sonnenbräune, Waschbrettbauch und Model-Po - gesund und schön sein will jeder. Dafür Opfer bringen, wollen viele. Fitness-Studios und Sportzentren liegen im Trend - auch bei der Ausbildung. Der neue Lehrberuf "Sport und Fitnesskaufmann" bietet Schulabgängern den Einstieg in die Berufswelt um den Körperkult - allerdings müssen Bewerber nicht nur mit der Hantel, sondern auch mit der Computer-Maus umgehen können.

<P>"Am Anfang war ich ein bisschen irritiert", sagt Marcello Musso. "Ich habe nur Sport und Fitness gelesen. Den Kaufmann habe ich völlig ausgeblendet." Schnell wurde dem 20-Jährigen klar, dass der Begriff "Bankdrücken" während seiner Ausbildung im "Sport Forum" im Münchner Stadtteil Forstenried zwei Bedeutungen hat. Neben der Kraftmaschine muss die Schulbank besetzt werden: Betriebliche Organisation sieht der Lehrplan ebenso vor wie Qualitätsmanagement, Rechnungswesen und Finanzierung. </P><P>"Es ist eigentlich eine kaufmännische Lehre. Sie findet lediglich in einem Sportbetrieb statt", erklärt Susanne Schwarzenberger (22), die ebenfalls bald auf ihr erstes Lehrjahr im "Sport Forum" zurückblicken kann.<BR><BR>Die Azubis können von der Kombination aus Büro- und Fitness-Job profitieren. Zusätzlich zur regulären Ausbildung erwerben sie freiwillig die Fitnesstrainer-B-Lizenz, mit der sie in Sport-Studios die Kunden anleiten dürfen. Die Kosten von 900 Euro übernimmt ihr Arbeitgeber. "Als Zuckerl", wie Clubmanager Stephan Hollfelder sagt. Das versüßt Sport-Begeisterten die Kaufmannslehre. Marcello Musso schwärmt von der "vielseitigen Ausbildung". </P><P>Ein normaler Büro-Job wäre nichts für ihn: "Ich bin für den Sport geboren, ich muss mich bewegen können." Doch die Bonus-Bildung für zukünftige Trainer gibt es nicht überall. "Es kommt schon darauf an, wo man die Ausbildung macht", urteilt Susanne Schwarzenberger. Sie empfiehlt Interessierten, sich bei der Bewerbung zu informieren, wie viel Wert auf Sport und wie viel auf Akten-Arbeit gelegt wird.<BR><BR>Wer in der Branche seine Zukunft sieht, aber keine Lehrstelle als Sport- und Fitnesskaufmann ergattert, kann auf Umwegen zum Ziel kommen. Der Quereinstieg in das Fitness-Geschäft ist auch mit einer anderen kaufmännischen Ausbildung möglich. Studio-Chef Hollfelder - selbst als Kaufmann in einem Münchner Autohaus ausgebildet - setzt aber "eine gewisse Sportlichkeit" voraus. Außerdem fordert er ein ausgeprägtes Service-Denken. Für die Azubis im "Sport Forum" gehört der Theken-Dienst an der Bar dazu. <BR><BR>Auch Sonntagsarbeit ist in der Branche üblich. Wem das Muskelspiel zu anstrengend wird, der kann als "Sport- und Fitnesskaufmann" später auch in einen klassischen Kaufmannsberuf wechseln.<BR><BR>Die Trainer-Tätigkeit gehört für Susanne Schwarzenberger dazu - Bestandteil der Ausbildung ist sie nicht unbedingt.<BR></P>

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