Buhs für Schrempp, Beifall für Zetsche

- Berlin - Der neue Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hat auf seiner ersten Hauptversammlung unter dem Beifall der Aktionäre mehr Gewinn beim Autokonzern in Aussicht gestellt. Gleichzeitig kündigte er den weiteren Umbau des Autokonzerns an: Die Beteiligung am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS solle weiter bis auf 15 Prozent verringert werden. Als erster Daimler-Chrysler-Chef ließ Zetsche auch sein Gehalt für 2006 veröffentlichen.

Die Sprecher der großen deutschen Investmentfonds, aber auch Vertreter von Kleinaktionären zeigten sich mit Zetsches Amtsantritt zufrieden. Statt Buhrufe wie bei Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp im Vorjahr gab es mehrfach Beifall. Heftige Kritik von Kleinaktionären musste sich dagegen der bis 2007 amtierende Aufsichtsratschef Hilmar Kopper anhören, von dem als Symbol der Ära Schrempp der Rücktritt gefordert wurde. Auch Schrempp selbst, der nebst Ehefrau auf der Hauptversammlung erschienen war, erntete erneut Buhrufe von den Rängen der Aktionäre, als Kopper Schrempp für dessen Arbeit dankte.

Kopper kündigte an, das Verfahren gegen ihn wegen möglicher Insider-Verstöße im Zusammenhang mit der Bekanntgabe des Schrempp-Rücktritts stehe vor dem Ende. Dies habe ihm die Staatsanwaltschaft erklärt.

Für den Gesamtkonzern geht Daimler-Chrysler nach Zetsches Worten weiter von einer eher stagnierenden Absatzentwicklung aus. Der Konzernabsatz werde sich 2006 in der Größenordnung des Vorjahres bewegen, sagte der neue Vorstandschef auf seiner ersten Hauptversammlung vor rund 7400 Aktionären. Der Konzern-Umsatz soll leicht steigen, die Ertragslage soll sich verbessern. "In den Folgejahren wollen wir den Operating Profit kontinuierlich steigern." Angesichts des guten ersten Quartals mit einem Absatzplus von zwölf Prozent könne er sich mehr Absatz als erwartet in der Mercedes Car Group vorstellen, sagte Zetsche. Eine detailliertere Gewinn-Prognose will das Unternehmen am 27. April mit den Zahlen zum ersten Quartal vorlegen.

Bei der EADS werde man mit mindestens 15 Prozent ein wesentlicher Anteilseigner bleiben und dabei auch die deutsch-französische Balance bewahren, betonte der Automanager. Bereits in der vergangenen Woche hatte Daimler-Chrysler angekündigt, sich von 7,5 Prozent des bislang 30-Prozent-Aktienpakets trennen und sich weiter auf das Autogeschäft konzentrieren zu wollen. Die Aktie von Daimler-Chrysler verlor zwischenzeitlich 1,18 Prozent auf 46,77 Euro, erholte sich aber zum Handelsschluss deutlich.

Nach heftiger Kritik an Schrempp in den Vorjahren lobten Sprecher der großen deutschen Aktienfonds Zetsche ausdrücklich. "Wir erwarten einen Ruck, der durchs Unternehmen geht, und unterstützen den eingeschlagenen Weg", sagte Pia Hellbach von Union Investment. Susan Levermann von der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS sagte: "Wir begrüßen es, dass Sie die Geschicke des gesamten Konzerns leiten." Gleichzeitig warnten die Fonds-Sprecher und Vertreter von Kleinaktionären davor, beim Thema Smart "weiterzuwursteln wie bisher", wie es Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ausdrückte.

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