Bund im selben Boot mit Heuschrecken

- Bonn ­- Aus heiterem Himmel kam die Ablösung von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke auf Betreiben der Großaktionäre Bund und Blackstone nicht. Erste Warnungen sandte SPD-Fraktionschef Peter Struck Ende Oktober aus, als über einen weiteren radikalen Stellenabbau diskutiert wurde. Der Bund halte zwar nur 30 Prozent der Aktien, werde seinen Einfluss aber ausüben, sagte Struck unmissverständlich an die Adresse von Ricke.

Und Finanzminister Peer Steinbrück gab zuletzt die in Kapitalmarktfragen sonst übliche Zurückhaltung auf und machte seinem Ärger über den dahindümpelnden Kurs der T-Aktie ordentlich Luft: Wegen des enttäuschenden Kursverlaufs sei ein für Ende 2006 geplanter Verkauf von Telekom-Aktien über "Platzhaltergeschäfte" vertagt worden ­ mit Milliarden-Ausfällen für den klammen Bundesetat.

Steinbrück hatte bereits Ende April den Druck auf Ricke erhöht, als er für 2,7 Milliarden Euro 4,5 Prozent an den US-Finanzinvestor Blackstone verkaufte. Ein Jahr zuvor waren die Amerikaner in der SPD als "Heuschrecken" verunglimpft worden. Steinbrücks Strategie: Die Finanzprofis von Blackstone sollten dem einst als Volksaktie gefeierten T-Papier auf die Sprünge helfen, damit der Bund sein Restpaket von knapp 32 Prozent lukrativ versilbern kann. Als Einstieg in den Ausstieg könnte eine Kursmarke von 17 Euro je Aktie gelten, heißt es.

Weil Ricke den Kundenschwund im Festnetz nicht stoppen konnte und mit einer unerwarteten Gewinnwarnung die beiden Großaktionäre zusätzlich verärgerte, soll Steinbrück Unternehmenskreisen zufolge bereits vor etwa einem Monat den Daumen über Ricke gesenkt haben. Gemeinsam mit Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel sei das Szenario für den schnellen Stabwechsel zu René Obermann entwickelt worden.

Obermann tritt ein schweres Erbe an. Die Telekom hat vor allem auf ihrem Heimatmarkt zu kämpfen. Ohne neue Einschnitte wird der neue Mann nicht auskommen, heißt es im Konzernumfeld. Handlungsbedarf besteht vor allem bei der Festnetzsparte T-Com, deren Erlöse seit Jahren unter Druck stehen. Im Telekom-Vorstand werden weitere personelle Schritte erwartet. Auf der "Abschussliste" steht insbesondere T-Com-Chef Walter Raizner.

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