Digitalisierungs-Offensive

Bundesagentur für Arbeit: Neuer Online-Test soll Arbeitslosen helfen

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So kann man etwa Arbeitslosengeld online beantragen – oder per Selbsterkundungs-Test herausfinden, welcher Beruf zu einem passt.

Nürnberg – In Deutschland gibt es derzeit so wenig Arbeitslose wie seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr. Kein Vergleich mit den Jahren nach der Jahrtausendwende, als die Jobcenter der Bundesagentur für Arbeit alle Hände voll zu tun hatten mit den rund fünf Millionen Arbeitslosen im Land. Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt – und auch die BA ist im Umbruch. Detlef Scheele, der die Agentur seit April leitet, hat das Projekt „Lebensbegleitende Berufsberatung“ auf die Agenda gesetzt – inklusive einer Digitalisierungs-Offensive, durch die mehr Menschen erreicht werden sollen.

„Früher haben viele Arbeitnehmer in einem Betrieb angefangen und sind dort bis zum Ruhestand geblieben. Heute wird der Arbeitsplatz viel häufiger gewechselt“, sagt Markus Schmitz, der bei der BA in Nürnberg für die „Digitale Agenda“ zuständig ist. Man wolle Menschen künftig von der Schulzeit bis zum Rentenalter begleiten. Die „Digitale Agenda“, die neue digitale Angebote für Mitarbeiter und Bürger bündelt, soll dabei helfen.

In der Beratung und Vermittlung wurde ein neues Online-Angebot entwickelt für Schüler, die noch nicht wissen, welche Ausbildung sie machen wollen. „Du hast noch keine Ahnung, was du werden willst? Mit unserem Selbsterkundungstool kannst du einschätzen, wo deine Stärken und Schwächen liegen. Und du erfährst, wo deine Interessen gefragt sind. Lass uns loslegen!“, heißt es dazu auf der Internetseite der BA. Nach 30 Minuten, in denen verschiedene Interessen abgefragt werden, gibt es ein erstes Ergebnis. Nach weiteren 45 Minuten, in denen es um Stärken und Schwächen geht, sind die Berufsfelder eingegrenzt. Es folgen weitere Fragen – etwa zu schulischen Leistungen. Nach insgesamt 1,5 Stunden werden passende Ausbildungsberufe vorgeschlagen. Wer möchte, kann online auch gleich einen Termin mit einem Berufsberater ausmachen, um noch offene Fragen zu klären.

Zum Jahreswechsel soll ein weiteres Selbsterkundungstool für Schüler online gehen, das bei der Wahl des passenden Studiengangs hilft, kündigt Schmitz an. Im kommenden Sommer startet dann die dritte Stufe, in der die beiden Tools zusammengeführt werden. Der Test richtet sich dann nicht mehr nur an junge Leute, die noch am Anfang ihres Berufslebens stehen, sondern auch an Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren wollen.

Bereits online ist dagegen schon der „Berufsentwicklungsnavigator“ – ein eigenes Tool, welches beispielsweise bei der Frage „Was ist mein Marktwert“ und „Wie kann ich mich weiterbilden?“ unterstützt. „Vorgeschlagen werden dann zum Beispiel Master-Studiengänge oder Weiterbildungs-Optionen“, erklärt Schmitz. Mit den kostenfreien Online-Angeboten wolle man mehr Menschen erreichen als bisher. Auch um präventiv Arbeitslosigkeit vorzubeugen. Die Beratung vor Ort soll deshalb aber nicht heruntergefahren werden, bekräftigt Schmitz.

Neben dem erweiterten Beratungsangebot wird auch an anderen Stellen digital aufgerüstet. Bereits online ist seit Dezember der neue Internetauftritt der BA, der die „Kunden“ besser abholen soll. Sechs Schaltflächen können angeklickt werden – je nach Lebenslage und Anliegen. „Arbeitslos und Arbeit finden“ zum Beispiel, „Familie und Kinder“ oder „Karriere und Weiterbildung“. „Mit drei Klicks soll der Kunde am Ziel sein“, erklärt Schmitz.

Der dritte Baustein der „Digitalen Agenda“: Möglichst viele Anträge sollen künftig auch online möglich sein. „Die Erwartungen der Kunden haben sich geändert, sie wollen heute möglichst viel online erledigen können“, so Schmitz. Darauf reagierte die BA. So kann man zum Beispiel bereits online Arbeitslosengeld beantragen. Die Krux: Um sich arbeitslos zu melden, ist das persönliche Erscheinen in einer Arbeitsagentur immer noch unumgänglich. „Wir würden uns wünschen, dass der komplette Ablauf künftig online möglich ist“, sagt Schmitz. Dafür muss allerdings der Gesetzgeber aktiv werden. Denn noch ist das persönliche Vorsprechen gesetzliche Pflicht.

von Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © dpa

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